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Unterweltgottes Merkur in Empfang genommen. Andere Men-schen in der Maske des etruskischen Dämon Charon , prüften mitglühendem Eisen, ob die Gefallenen nicht etwa den Tod nur heu-chelten. Bahren standen bereit, auf denen die Leichen durch „dasTor der Todesgöttin“ hinausgetragen und in die Leicbenkammergeschafft wurden. Dort wurden auch diejenigen vollends getötet,in denen noch Leben war.
VI.
Als dritte Hauptart der Spiele sind die „Venationes“ oder„ludi venatorii“, zu deutsch meist als „Tierhetzen“ bezeichnetenVolksschauspiele zu schildern. Diese Veranstaltungen wurdenim Jahre 206 v. Chr. (Livius XXXIX 22: „venatio data leonumet pantherarum“) in Rom eingeführt. Sie wurden in der repu-blikanischen Zeit im Großen Circus abgehalten, später meistensim Flavischen Amphitheater. Die Einführung hing damit zu-sammen, daß das Gebiet Karthagos in die Abhängigkeit der Rö-mer kam. Denn der Hauptreiz der Tierspiele bestand in der Vor-führung wilder Tiere, in erster Linie von Elefanten, Panthern,Löwen und Leoparden. Diese Tiere waren in den neuen afrika-nischen Landstrichen in unbegrenzter Fülle beschaffbar. Wennman sich anstatt dessen zuweilen mit Rehen, Hasen, Hirschen ,Ebern, Bären, Stieren begnügte, welche in den Wäldern Apuliens und Lucaniens, in den Pontinischen Sümpfen und im Appeninge-birge in Menge zu haben waren, so hatte das besonderen Anlaß,wie beim Feste der Flora (28. April bis 3. Mai), das seit 173v. Chr. im Großen Circus gefeiert wurde, und wobei nur das un-schädliche Wild vorgeführt und abgeschlachtet werden durfte.Schon bei der ersten Tierhetze sah man Löwen und Panther insolcher Menge und Mannigfaltigkeit, daß Livius für erwähnens-wert hielt, jenes erste Schauspiel sei fast den Venationen der Au-gusteischen Zeit gleichgekommen, ln den Circusspielen von 186.welches die kurulischen Aedilen Scipio Nasica und P. Lcntulusveranstalteten, waren, wie berichtet wird, 63 Panther, Leopardenund Hyänen aus Afrika , außerdem 40 Bären und mehrere Elefan-ten zu sehen. Plautus (254—184) hatte Strauße „im Lauf durch