Panem et Circenses
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ohne Gefahr, aber doch so, daß nicht diese Gefahr, sondern dieGeschicklichkeit der Jäger und der Hunde, den Hauptreiz für dieZuschauer bildete.
Besonders beliebt, waren die in Griechenland , besonders inThessalien, heimischen Stiergefechte, welche Caesar in Rom zu-erst veranstaltet hatte. Den wilden, durch rote Tücher und andereManipulationen gereizten Tieren standen Kämpfer zu Fuß undberitten gegenüber. Von den letzteren wurden die Stiere bis zurTodesmattigkeit gehetzt und dann an den Hörnern zu Boden ge-rissen.
Eine andere Steigerung der Sensation des Kampfes zwischenMensch und Tier war den Kaisern Claudius und Nero Vorbehal-ten. Ersterer ließ eine Abteilung der berittenen PraetorischenLeibwache, unter Anführung ihrer Offiziere, gegen einen Hau-fen afrikanischer Panther fechten. Letzterer schickte dieselbenReiter zum Kampfe gegen 400 Bären und 300 Löwen.
Abgesehen von diesen scheußlichen Fällen militärischerKämpfe gegen Tiermassen waren die Tierkämpfer (ebenso wiedie Gladiatoren) entweder verurteilte Verbrecher und Kriegsge-fangene, oder gedungene Berufskämpfer. Bei Seneca überlegt einzugrunde gerichteter Verschwender, ob er sich als Gladiator oderals Tierkämpfer verdingen soll. Eine der vier kaiserlichen Schu-len war, wie schon berichtet, speziell der Ausbildung von Tier-kämpfern bestimmt.
Innerhalb des sportmäßig aufgezogenen Betriebes der Tier-kämpfe erscheint als schmählichste Einrichtung die in Rechts-form gekleidete Verurteilung „ad bestias“ (oder „ad ludum vena-torium“), welche in den schlimmsten Fällen derart vollstrecktwurde, daß die Verurteilten entweder wehrlos an Pfähle gebun-den, oder behufs Verlängerung ihrer Qual und zur Erhöhung dessadistischen Reizes für das entartete römische Volk mit Waffenversehen den Bestien überliefert wurden. Es wird als besondersbeliebt geschildert, die Todesopfer in prächtige Gewänder zu klei-den. In kostbaren, golddurchwirkten Tuniken und Purpurmän-teln mit goldenen Kränzen geschmückt wurden sie in die Arenageführt. Die Gewänder waren oft derart präpariert, daß sie sich
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