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P a n c 111 et C i r c e n s e s
plötzlich entzündeten, ohne aber den sofortigen Tod der unglück-lichen Opfer herbeizuführen. Der grausige Volkswitz nanntediese Kleider die „unbequeme Tunika“ (tunica molesta). DieAkten der christlichen Märtyrer (Passio S. Felicitatis et Perpe-tuae c. 18) berichten darüber, daß die Christen in der Arena alsPriester des Saturn, d. h. in Scharlach - und Purpurmänteln (Ter-tullianus, de testim. animae c. 2, de pall. c. 40), die Christinnen alsCerespriesterinnen erscheinen mußten.
Die Flinrichtung durch die Bestien wurde manchmal in einetheatralische pantomimische Vorstellung eingekleidet. Marfialberichtet neben andern Vorgängen dieser Art, ein Schauspiel, inwelchem ein Verdammter als Orpheus aus der Versenkung auf-trat, als ob er aus der Unterwelt zurückkehre. Sein Erscheinenund sein Spiel schien die ganze in der Arena dargestellte Naturzu bezaubern. Felsen und Bäume bewegten sich auf ihn zu, Vö-gel schwebten über ihm, zahlreiche Tiere umgaben ihn, anschei-nend gezähmt durch sein Spiel, bis ein darauf abgerichteter Bärihn zerriß.
Bisweilen verlegte man die Exekution aus der Arena auf dasForum. Strabo (66—24 v. Chr.) berichtet folgendes Beispiel:Ein Räuber, Selurus, Sohn des Ätna genannt, weil er dort seinWesen trieb, ward zum Tode durch die wilden Tiere verurteilt.Man errichtete ein Gerüst auf dem Forum, auf das der Verurteiltesteigen mußte. Dann fiel das Gerüst krachend auseinander. DerVerurteilte stürzte in den darunter stehenden Käfig der Bestien,die ihn zerrissen.
Ein anderes waren die Kämpfe von gegeneinander gehetztenTieren, wie das Rhinozeros gegen den Elefanten, der Bär gegenden Stier. Die Tiere wurden auf jede mögliche Art angereizt.Man trieb sie mit Peitschengeknall, verwundete sie mit Stachelnund Bränden, warf ihnen mit Lappen behängte Strohpuppen vor,die sie wütend in die Luft schleuderten, fesselte sie, je zwei anlangen Seilen zusammen, und das Volk jauchzte, wenn sie einan-der zerfleischten.
Zu den Schauspielen des Amphitheaters gehörte auch dieVollstreckung jener Todesurteile, durch welche Menschen, an