Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
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378 Die Stände und das Volk. Stadtbild und Stadtleben

hen Beamten fuhr, vielleicht den Oberbefehlshaber der Praeto-rianer, deren Citadelle am Ende dieses Straßenzuges liegt.*)

Wenn wir uns vorgenommen hatten, von der Porta Salaria direkt zu dem Campus Agrippae an der Via Lata (gegenüber derSäule des Marc Aurel) hinunter zu spazieren, so war dies nichtohne das Bewußtsein geschehen, daß es in diesem Abschnitt derStadt keine Straßenverbindungen gibt, welche den vorher vonuns durchmessenen Hauptstraßen vergleichbar wären. Wir wuß-ten, daß von der Höhe der Porta Salaria durch die Thalmuldedirekt hinunter krumme und unbequeme, zwischen den Zäunenund Mauern großer Gartenanlagen laufende, teilweise steinigeteilweise durchfeuchtete Fußsteige existierten.**) Kletterte manan den Böschungsrand des Mons Pincius, so lief man Gefahr, aufunwegsame Kletterpartien zu geraten, von denen man mehr hin-abrutschen als hinabgehen konnte.***)

Wir entschlossen uns, da es Mittagszeit geworden war, jeneirregulären Wege zu vermeiden und von der Porta Salaria aufdem bequemsten Umwege über die Porta Pinciana und von dortauf einem der leidlichen zur Via Lata hinabführenden Wege bis

*) Seitdem im Jahre 203 der praefectus praetorio L. Fulvius Plautianus,der allmächtige Günstling des Kaisers Septimius Severus zum Kaiser imWagen gefahren war, ohne daß der Kaiser dies mißbilligte, galt es als allenhohen Beamten gestattet, in der Stadt auch bei Tage im Wagen zu fahren.Alexander Severus gestattete dies allen Senatoren, mit der Maßgabe, daß siesich silberbeschlagener Wagen bedienten. Jener Platianus stürzte und starbden Tod des Hochverräters im Jahre 204.

**) Die Ungunst des Terrains jener Stadtgegend ist bekannt aus derSchilderung, welche Tacitus (histor. III 82) von der Schlacht der Truppen desVespasianus gegen Vitellius gibt, die im Jahre 69 vor der Porta Collinastattfand. Tacitus schrieb: Es gerieten nur diejenigen Flavier (Soldaten desVespasianus) in Bedrängnis, welche sich auf die engen und schlüpfrigenWege bei den Gärten des Salustus begeben hatten (ii tantum conflictatisunt qui in partem sinistram urbis ad Sallustianos hortos per angusta etlubrica viarum flexerant").

***) Der unmittelbare Niveauunterschied zwischen dem Aussichtsplatz beiTrinita dei Monti und der Piazza di Spagna , sowie zwischen der Aussichts-terasse der Passegiata des Pincius und der Piazza del Populo, hat nicht an-ders als durch Futtermauern und T reppen behandelt werden können.

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