Stadtbild und Stadtleben
379
zu dem Campus Agrippae zu gehen. Dieser Campus ist eineAnlage, welche aus einer Säulenhalle und einem mit Gartenanla-gen geschmückten Platz für gymnastische Übungen besteht. Wirhatten diesen Platz mit Freunden als Treffpunkt verabredet, mitwelchen wir die zweite Hälfte des Tages verleben wollten.
Unser Führer verschaffte uns in der Nähe des CampusAgrippae nahe bei der uns bekannten Porta Sanqualis Gelegen-heit zu einem prandium mit nachfolgendem Mittagsschlaf (me-ridiatio). Um 2 Uhr suchten wir die nahe gelegenen NeronischenThermen auf.*)
II.
Die Thermen und das Badewesen des römischen Altertumssind Gegenstand der ausführlichsten Mitteilungen aus dem Alter-tum selbst und einer großen geschichtlichen Literatur der Neu-zeit. Es handelt sich dabei keineswegs um stadtrömische Be-sonderheiten, sondern um die allgemeinsten und am gleichmäßig-sten über das antike Kulturgebiet verbreiteten Kultureinrichtun-gen. Außerdem kennen wir diese Einrichtungen durch körper-lichen Augenschein von unübertroffener Erhaltung. Es mußdarum eine allgemeine Orientierung und die Hervorhebung ei-niger Besonderheiten der Stadt Rom für die Behandlung in un-serer Darstellung genügen. Diese erfolgt in der Hauptsache imAnschluß an das Handbuch der römischen Altertümer von J. Mar-quardt und Th. Motnmsen: Das Privatleben der Römer, Leip-zig 1886 S. 272 f.
*) Diese von Nero im Jahre 61 geweihten Thermen liegen unmittelbarbeim Pantheon, ganz nahe den Thermen des Agrippa . Nach einem Jahrschmolz ein Blitzstrahl nicht nur eine dort aufgestellte eherne BildsäuleNeros, sondern verbrannte auch das Gymnasium. Nero stellte alles in kürze-ster Zeit mit größter Pracht wieder her. Außer durch die Bäder wurdendiese Thermen besonders beliebt als Sammelplatz eleganter Müssiggänger.Im Jahre 211 galten sie noch für die glänzendsten Thermen Roms . Nachdemdie Caracalla-Thermen sie in Schatten gestellt hatten, ließ Alexander Severus sie in großartiger Weise erweitern und verschönern. Seitdem hießen sie„Thermae Alexandrinae“ anstatt wie bisher „Thermae Neronianae“.