380 Die Stände und das Volk. Stadtbild und Stadtleben
Balnea (oder balneae) sind Badestuben oder Badehäuser,thermae aber große für gymnastische Übungen bestimmte undzugleich mit Badeeinrichtung versehene Anstalten.
„Junge Leute badeten im Sommer in dem Tiber , auch gabes seit dem zweiten punischen Kriege öffentliche Bäder, welcheentweder von der Gemeinde oder von einem Spekulanten errich-tet, einem Pächter (conductor) unter bestimmten Bedingungenübertragen und von den Aedilen beaufsichtigt wurden. Für dieBenutzung nahm entweder die Stadt ein vectigal oder der Päch-ter ein Badegeld (balneaticum). Es gehört zu den typischenActen der Liberalität, wenn von einem Kaiser oder einem Pri-vatmanne dem Volke für einen Tag oder für eine bestimmte Zeitoder für immer freies Bad gewährt, von einer Gemeinde der Auf-wand für das Bad auf die Stadtkasse übernommen, von Patrio-ten in ihrem Testament ein Kapital zur Bestreitung der Kostendes Badebetriebes ausgesetzt wird. Im Allgemeinen zahlt jederfür das Bad, und zwar betrug das gewöhnliche Eintrittsgeld inRom für Männer einen quadrans (% As), für Frauen, wie esscheint, mehr; Kinder waren frei “
In der Kaiserzeit wurden die Bäder ein luxuriöses Vergnü-gen; die häusliche Einrichtung dafür wurde immer prächtiger,die Zahl der öffentlichen Badehäuser immer größer, Agrippa fügte zu den bereits durch Privatspekulanten errichteten Bade-häusern in seiner Aedilität 170 neue hinzu.
Das regelmäßige Bad der späteren Zeit besteht aus vierTeilen, dem Aufenthalt in erwärmter Luft, dem warmen Wasser-bade, dem kalten Wasserbade und der Abreibung, und es sinddafür mindestens drei Lokale erforderlich: für die dem Badevorangehende Erwärmung die cella tepidaria, für das warmeWasserbad die cella caldaria, für das kalte Wasserbad die cellafrigidaria, wozu dann noch ein eigenes Zimmer zum Aus- undAnkleiden und ein zweites für die Abreibung (destrictarium,unctorium) kommen kann.
Daß die Thermen nicht bloß dem Bedürfnis, sondern auchdem Luxus und der Unterhaltung dienten, wird vielfach berich-