Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Stadtbild und Stadtleben

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tet und ist auch aus der ganzen Anlage und Einrichtung ersicht-lich. Immer reicher und raffinierter wurde die Ausstattung. Sowurden diese Bäder allmählich der Mittelpunkt eines Genuß-lebens, bei welchem der sanitäre Zweck zurücktrat und welchesdie Korruption mehr als irgendeine andere Sitte des Gesell-schaftslebens beförderte.

Zu den korrumpierenden Wirkungen der Bäder trug dieUnsitte nicht wenig bei, daß auch Frauen in denselben erschienen.Wenn die strenge altrömische Sitte nicht gestattet hatte, daß diejüngeren Söhne mit dem Vater, der Schwiegersohn mit demVater zusammen badeten, so war man im Lauf der Zeit toleran-ter geworden. Es scheint, daß schon in den letzten Zeiten derRepublik die Benützung der öffentlichen Bäder durch Frauennichts ungewöhnliches war.

Neben dem Theater, dem Circus und anderen öffentlichen Or-ten nennt Ovid das Bad als passende Gelegenheit für ein Rendez-vous; und daß allmählich das gemeinsame Baden beider Geschlech-ter ganz gewöhnlich geworden war, obgleich eine anständige Frausich desselben enthalten mußte, sieht man nicht bloß aus den An-gaben der Schriftsteller, sondern auch aus den wiederholten Ver-boten, welche Kaiser wie Hadrian, Antonius Pius u. a. erließen.

Mit welchem Luxus die Bäder ausgestattet waren, sowohldie öffentlichen, als diejenigen in den Palästen der Reichen, zei-gen manche Beschreibungen der Kaiserzeit.

Seneca sagte:Man hält es für plebeisch, wenn nicht an denWänden kostbare kolossale Medaillons glänzen, wenn nicht derMarmor von Alexandria mit neumodischer Stukkatur abwechselt,wenn nicht überall eine viel Arbeit verlangende Wandmalerei inallen möglichen Tönen herumläuft, wenn nicht das Gewölbe hinterGlas sich verbirgt, wenn nicht Marmor von Thasos , welchen manfrüher selten, da und dort in einem Tempel, fand, die Bassinseinfaßt, wenn nicht der Zapfen, aus welchem das Wasser strömt,von Silber ist. - '

Statius (um 45 bis 96) beschreibt das Bad des ClaudiusEtruscus:Der thäsische Marmor ist da viel zu gering, nur der