Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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382 Die Stände und das Volk. Stadtbild und Stadtleben

violett gefleckte ist verwendet, welcher bei Synnada in Phrygien ,oder der weiße, welcher bei Tyrus und Sidon gebrochen wird; dergrüne lakonische wird höchstens zur Abwechslung gebraucht.Überall findet sich eine Fülle von Licht, welches durch bunteGlasscheiben herein fällt; nirgends sieht man Erz verwendet, sondern aus Silber strömt die Welle hervor und in Silber fällt sieherab, der lebendige Strom ist von außen herein und durch einspiegelklares Marmorbassin geleitet.

Der mit den Grundzitgen der historischen Entwicklung ver-traute Beobachter wird sich nicht enthalten können, neben derarchitckturgeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Bedeutungdes Therraenwesens auch dessen politische Funktion zu würdigen.

Das Thermenwesen ist weit davon entfernt, eine stadtrömi-sche Spezialität zu sein. Vielmehr fehlten Thermen schon inder frühen Kaiserzeit in keiner Provinzialstadt. Selbst in Dör-fexm fand man sie. Wohlerhaltene Thermenreste sind zahlreichin Frankreich, Deutschland, England , in den Donauprovinzen undauch in Numidien gefunden. Man kann sagen, daß die Thermennoch mehr als die im Reich verbreiteten Amphitheater Kenn-zeichen einer einheitlichen reichsrömischen Kulturgemeinschaftwaren. Zu diesem Momente trat für die Thermen der StadtRom noch eine andere politische Funktion hinzu. Sie wurdendas besondere Attribut des Kaisertums, der lebendigste populäreAusdruck der bis auf die Knochen kaiserlichen Gesinnung desVolkes, zugleich ein politisches Mittel ersten Ranges in der Handder Kaiser. Die Erbauer der römischen Thermen waren Agrippa ,Nero, Titus, Domitian, Trajan, Commodus, Septimius Severus ,Caracalla, Alexander Severus und endlich erstaunlicherweise zu-letzt noch Diokletian und Constantin. Unter welchem Haupt-gesichtspunkt diese Kaiser ihre Thermenbauten betrachteten, wirdklar, wenn man davon ausgeht, daß die Thermen nur für diegroße Menge des Volkes bestimmt waren und wenn man dieLage der einzelnen Thermen betrachtet. Die erste Thermenanlage(ThermaeAgrippae 27. v. Chr. beim Pantheon) war zentral aber mitganz besonderer örtlicher Beziehung zu dem plebeischen Geschäfts-viertel auf dem Aventin. Nero folgte im Jahre 61 n. Chr. mit