Unsterblichkeitsglauben. Er wollte auch den alten Götterdienstund die Götterlegenden nicht missen.
Seneca hatte fast christlichen Unsterblichkeitsglauben.
Der ältere Plinius dagegen wies den Unsterblichkeitsglaubenleidenschaftlich zurück. Folgende Sätze von ihm sind charakteri-stisch: „Gefühl und Bewußtsein gibt es für Seele und Körpernach dem Tode so wenig wie vor der Geburt. Menschliche Eitel-keit setzt die Existenz in die Zukunft fort, und er lügt ein Lebenin die Zeit nach dem Tode hinein, indem sie der Seele baldUnsterblichkeit, bald Umgestaltung, bald den Unterirdischen Be-wußtsein beilegt und Manen verehrt und die zu Göttern machtdie sogar Menschen zu sein aufgehört haben.“ (Plinius , Historianaturalis VII 188).
Der jüngere Plinius folgte dem Epiktet aber war zugleichwundergläubig und abergläubisch.
IV.
Im vollendesten Maße waren die Kaiser Antoninus Pius undMarcus Aurelius Träger und Förderer der neuen freien und sitt-lichen Geistigkeit. Sie waren deren Personifikationen.
Beide Kaiser waren weit entfernt davon, den Mittelpunktgeistiger Kreise in derjenigen Weise bilden zu wollen, wie Neroes wollte. Ihre Stellung zu ihrer Umgebung war auch durchausanders als diejenige des Scipionischen Kreises und des Kreisesum Augustus. Auch berichtet die Überlieferung nichts von einerpersönlichen Wirksamkeit der beiden Kaiser in der Art wie Pe-rikies in Athen, Dionysius II. in Syrakus , wie die Ptolomäer inAlexandria sie geübt hatten.
Der Schwerpunkt ihres Wesens lag jenseits der Kunst„jenseits der Wissenschaft, ja auch jenseits der Religion, und zwarbewußtermaßen. Ihre Lebens- und Regierungsweise war derunmittelbare Reflex ihres Wesens, mit der Treue glatter Spiege-lung auf ruhiger dunkler See.
Wir sind in der glücklichen Lage, aus Briefen des MarcAurel an seinen Lehrer M. Cornelius Fronto (86 bis 170), vor