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Jahr 650 v. Chr. aufgestellt hatte. Sie traten gegenüber denEingeborenen nicht als Eroberer und Unterdrücker auf, sondernals weise und friedliche Träger einer überlegenen Kultur. Sienahmen mit sehr geringem Gebiet vorlieb.
Anders waren das Wesen und die Entwicklung der um Sy-baris gruppierten Städte. Diese lebten in eidgenössischer Ge-meinschaft unter gleichen Gesetzen mit Gewichts-, Maß- undMünzeinheit. Handel und Seefahrt trieben sie ebenso wenig wiedie Vesuvkolonien. Aber im Unterschied von diesen erobertensie große Gebiete, das ganze italische Gebiet von Meer zu Meer,das „Wein- und Rinderland“, welches Groß-Hellas genanntwurde. Die eingeborene Bevölkerung mußte ihnen in Hörigkeitdienen und Landzins zahlen. Sie geboten über 4 Stämme und25 Ortschaften der „Barbaren“, das heißt der Landesbewohner,und sie erwarben große Reichtüiner. Ihr politisches Leben warroh, gewalttätig, oligarchisch-despotisch. Die vorwaltende poli-tische Doktrin gebot, die Herrschenden „gleich den Göttern zuverehren“, die Dienenden „gleich den Tieren zu unterwerfen“.„Rasende Parteifehden, Massenerhebungen der Sklaven, sozialeMißstände aller Art, kurz alle Übel der entsittlichstsn Zivilisa-tion hörten nicht auf, in den achaischen Gemeinden zu wüten,bis ihre politische Macht zusammenbrach“ (Th. Mommsen ).
Die glänzendste Rolle unter den hellenischen Ansiedlungen inItalien ist den Tarentinern zugefallen. Der Hafen von Tarent bildete das natürliche Entrepöt für den See- und HandelsverkehrSüditaliens, dazu kam reicher Fischfang im Meerbusen, fernerWoherzeugung, Wollverarbeitung, Färberei, wobei der berühmteSaft der Tyrischen Purpurschnecke von Bedeutung war.
VI.
Eine völlig andere Bewandtnis als mit den Siedlungen aufdem Festland hatte es mit dem Griechentum auf der Insel Sizi-lien . Die griechischen Kolonisten, welche sich um das Jahr 736v. Chr. nach Sizilien wendeten, fanden dort, namentlich in dennordwestlichen Strecken und auf den kleinen Inseln phönizischeSiedlungen vor, welche ohne große Bedeutung waren und bald