Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

il!

1

438 Rom und Hellas

VII.

Um das Jahr 306 v. Chr. schloß Rom mit dem Freistaat vonRhodos einen Handelsvertrag ab, den ersten Traktat, welcherzwischen Hellas und Rom direkte Verkehrsbeziehungen zu ver-mitteln bestimmt war, die erste offizielle hellenisch-römischeKulturbrücke. Der Vertrag ist ohne Zweifel aus dem Bedürfnisder Rhodier hervorgegangen. Diese wollten sich bei den Herrender caeritischen und der kampanischen Küste, welche zugleichHerren der ganzen italischen Westküste bis Pisa und Porto Ve-nere, und von dort des Weges nach Marseille waren, freie See-fahrt in jenen Meeresteilen und über jene Häfen sichern, welcheso lange Monopol der Etrusker und ihrer Verbündeten gewe-sen waren.

Es war dies das erste Aufblitzen des neuen politischen, wirt-schaftlichen und kulturellen West-Ost-Imperialismus, welcherdas Schicksal der folgenden Jahrhunderte war.

Ein gleicher Vertrag wurde bald nachher von Rom mitder ansehnlichen Handelsstadt Apollonia an der Küste vonEpirus abgeschlossen.

Was diese Verbindungen tatsächlich gebracht haben, wissenwir nicht.

Alsbald 282 erschien dann aber in der Person des küh-nen Nachahmers Alexanders des Großen, König Pyrrhus vonEpirus, der erste Grieche, welcher den Römern im Kampf gegen-über trat.

Dadurch, daß Pyrrhus für diesen Kampf die ganze Kraftdes Hellennismus aufbot, veranlaßte er die Römer, ihrerseitsnunmehr den Vernichtungskampf gegen Pyrrhus und das Grie-chentum in Italien zu führen. In Rom gab Appius Claudius Ca-cus für diesen Vernichtungskrieg durch die gewaltige von demblinden Greis im Senat 280 gehaltene Rede den Ausschlag.

Der griechisch-römische Krieg wurde in der Schlacht vonBeneventum ( 273) entschieden. Pyrrhus kehrte völlig geschla-gen nach Epirus zurück. Er starb 272. In den folgenden Jahren