Griechische Kultur 1000—275 v. Chr.
437
keine ausgebildete Doktrin, sondern eben wieder eine Hervor-bringung denkender Geister vom größten Stil.“
Die Schüler des Platon werden „Akademiker“, diejenigendes Aristoteles „Peripatetiker“ genannt. Wenn man von der„Schule der Akademiker“ und der „Schule der Peripatetiker“spricht, so ist dabei weniger an die persönliche Anhängerschaftals vielmehr an die philosophische Grundrichtung gedacht.
Den beiden genannten Philosophenschulen folgte als drittedie der Stoiker, als vierte die der Epikuräer, beide in Athen ge-gründet, die eine von Zeno aus Kition auf Cypern (340 bis ca.266), die andere von Epikurus (aus einem attischen Dorf stam-mend, von 337 bis 260 lebend). Zeno lehrte in der „Stoa Poi-kile“, einer der öffentlichen Säulenhallen Athens , Epikurus ineinem von ihm für seine Schule angekauften Garten, dem „Gar-ten des Epikurus“.
Platon und Aristoteles hatten das Wesen der Welt und derPhilosophie in den beiden Grundrichtungen verstanden underklärt, welche uns als die beiden jeder Weltanschauung notwen-dig irgendwie innewohnenden Perspektiven erscheinen: Dasein(Erscheinung) und Idee.
In der Richtung dieses Denkens war keine weitere ebenbür-tige philosophische Entwicklung möglich, sondern nur nochIgnorierung, Bekämpfung, oder Durchführung.
Tatsächlich wurden in Athen Platon und Aristoteles durchZeno und Epikurus verdrängt, während eine fünfte Richtung,der an Protagoras anknüpfende Skeptizismus, keine Schulemachte.
Zum Schluß dieses Abschnittes ist noch Theophrastus ausEresos auf Lesbos zu nennen, welcher zuerst Schüler des Platon,sodann Schüler und Freund des Aristoteles war. Er wurde vonAristoteles zum Vormund seines Sohnes und zum Erben seinerBibliothek ernannt. Er wirkte in Athen als Peripapetiker imvölligen Anschluß an Aristoteles . Er soll über 2000 Schüler ge-habt haben und im Jahre 286 v. Chr. im Alter von 105 Jahrengestorben sein.