Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Griechische Kultur 1000 275 v. Chr.

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Wie es sich mit jener Nachricht der Entsendung einer rö-mischen Gesetzgebungskommission nach Athen im Jahre 453v. Chr. verhält, um das im Jahre 462 v. Chr. durch den Volks-tribunen Terentilius Arsa verlangte Gesetzgebungswerk durchStudium (eine Nachricht lautet:durch Übersetzung!) der So-lonischen Gesetze vorzubereiten, ist trotz mehrfacher Nachrich-ten älterer Schriftsteller (z. B. Livius III 31) und einer umfang-reichen neueren Literatur völlig dunkel. Die Nachricht leidet ankrassen Unwahrscheinlichkeiten. Ob richtig oder falsch, beweistsie aber, daß die späteren Griechen und die Römer davon aus-gingen, daß um 453 v. Chr. Athen durch weltweite Verkehrs-distanz und gegenseitige Unbekanntschaft getrennt waren.

Daß Aristoteles (384322) und der Historiograf Theopom-pos von der Insel Chios (380336) den Zug der Gallier gegenRom (390 v. Chr.) und die Kämpfe der Römer gegen diese er-wähnen, sagt sehr wenig und was von dem Historiografen Ale-xander des Großen, Kleitarchos (334), von dem athenischenPeripapetiker Theophrastus (in seiner 306 geschriebenen Pflan-zengeschichte) sowie bei dem um 300 v. Chr. schreibenden Zuhö-rer Platos Herakleides Pontikus, sich an Erwähnungen findet,ist nicht der Rede wert.

Der erste griechische Autor, welcher wirkliche Nachrichtenüber Rom und die Römer gab, war Hieronymus von Kardia , derBiograf des Königs Pyrrhus (im Alter von ca. 104 Jahren gegen240 v. Chr. gestorben) und so schließt sich auch von dieser Seiteher übereinstimmend das Geschichtsbild der beiden Jahrhunderte500 bis 300 zu dem Tatbestände des Nichtvoneinanderwissens imVerhältnis von Hellas und Rom .

Ein jüngerer Zeitgenosse des Hieronymus , der HistorikerTimaios (Timäus) aus Tauromaenion in Sizilien (etwa 352 bis256 v. Chr.), welcher 50 Jahre lang in Athen lebte und dort eingroßes, verloren gegangenes, Geschichtswerk über Sizilien schrieb, scheint die Römer eingehender behandelt zu haben.

Eine irgendwie erhebliche Bedeutung für die Entwicklungder Kulturbeziehungen zwischen Römern und Griechen darf auchdiesen historiografischen Auslassungen nicht beigemessen wer-

Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.

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