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mianus Marcellinus, ein Mitlebender, hat eine ausführliche Be-schreibung der Feierlichkeit hinterlassen.
Wir folgen der Übertragung von Reumont.
Der Kaiser kam auf der Flaminischen Straße heran. BeiOtricolum am Tiber , wo der Blick des aus Umbrien Kommendendas Flußtal und die prächtigen Berge des Sabinerlandes umfaßt,ordneten sich die Scharen. Voraus zog die Edelgarde, Jüng-linge vornehmer Herkunft mit von Gold starrenden Bannern.Der Imperator, mit Juwelen bedeckt, saß allein auf einem ver-goldeten Wagen. Uber seinem Haupte schwebten purpurneBanner wie Drachen geformt, vom pfeifenden Winde aufgeblähtund hin und her bewegt. Es folgten Schwerbewaffnete undPanzerreiter, deren aus erzenen Ringen zusammengefügte Rü-stung sich nach persischer Sitte dem Leibe so eng anschmiegte,daß sie im Sonnenglanz wie ein gegossenes Kunstbild erschien.So näherte man sich der Stadt: es war am 128. April. Senat undPatriciat waren hinausgezogen, und tausendstimmiger Jubelruf,den Augustus begrüßend, hallte zurück von den Hügeln. DerHeld des Tages aber hielt sich völlig regungslos, wie wenn ersich in seinen Provinzen zeigte. Er sah gerade vor sich hin,das Haupt nicht rechts nicht links wendend, ohne bei den Stößendes Wagens aus der Haltung zu kommen, noch sich zu räuspernoder eine Handbewegung zu machen. Viel mehr einer Statueglich er als einem lebenden Wesen. Wenn er unter den hohenTriumphpforten durchzog, bückte er sich unwillkürlich, so kleinauch seine Gestalt war.
Als Constantius zum Forum gelangte, als der ehrwürdigeSchutzplatz ererbter Größe und alten Ruhmes vor seinen Blik-ken lag, belebte sich selbst dies starre Bild der Herrschermacht.Er ward zur Bewunderung hingerissen.
Zum Adel sprach er in der Curie, zum Volke von der Red-nertribüne.
Constantius besichtigte dann alle Merkwürdigkeiten Roms,auf den Hügeln wie in der Ebene, und seine Bewunderung ver-stummte nicht beim Anblick der capitolinischen Tempel und