Heidentum und Christentum
535
eintraf: keiner hat sie kaltblütig vernommen, keiner hat seineSeufzer unterdrückt. Keiner hatte Vergebung für deine Tat.“
Dann erinnerte Ambrosius den Kaiser an Davids Beispiel,forderte ihn zur Reue auf, verkündete ihm, daß die Kirche Gottesihm verschlossen bleiben müsse, bis er Buße getan für das ver-gossene Blut.
Ambrosius schrieb ferner: „Ich empfinde keinen Haß gegendich, aber Furcht erfüllt meine Seele; ich würde es nicht wagendas heilige Opfer darzubringen in deiner Gegenwart. Das unge-recht vergossene Blut eines Einzigen würde es mir verbieten.Könnte das Blut so vieler schuldloser Opfer es mir erlauben? Ichglaube es nicht; mit meiner Hand schreibe ich dir diese Worte,damit du allein sie lesest.“
Als der Imperator dennoch vor der Kirche erschien, tratAmbrosius ihm auf der Schwelle entgegen und verwehrte ihmden Eingang. Er ließ ihn erst wieder (nach 8 Monaten)zur sacramentalen Gemeinschaft zu, nachdem er Buße getanund ein Gesetz erlassen hatte, nach welchem eine verfügteTodesstrafe nicht vor dem dreißigsten Tage nach dem Urteil voll-zogen werden durfte.
Theodosius verschied, noch nicht fünfzig Jahre alt, am 17.Januar 395 in Mediolanum.
Neben seiner Leiche sprach, so wird berichtet, der heiligeAmbrosius die Worte:
„Ich habe diesen Mann geliebt, weil er ernste Vorstellung derSchmeichelei vorzog. Er hat in der Versammlung der Gläubigendas Verbrechen beweint, zu welchem trügerische Vorspiegelun-gen ihn getrieben hatten. Er, der Kaiser, hat sich nicht gescheutvor öffentlicher Buße, und er hat nie aufgehört seine Verirrungzu beklagen.“