Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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Die Lage in Rom wurde durch Hungersnot und eine ausdieser hervorgehende Seuche zur Verzweiflung gesteigert.

Alarich beschloß in dieser Lage, von jeder Berennung oderZerstörung der Stadt Abstand zu nehmen, und lediglich die Durch-setzung seiner Geldforderungen und die Befriedigung des Beute-bedürfnisses seiner Truppen zu betreiben und zwar zunächst nurdurch Aushungerung.

Alarich forderte als Preis für die Aufhebung der Belagerungder Stadt Rom : 5000 Pfund Goldes, 30,000 Pfund Silber, 4000seidene Gewänder, 3000 in Purpur getränkte Felle, 3000 PfundPfeffer.

Die Stadt brachte wirklich dieses alles auf.

Nach der Lieferung hob Alarich die Einschließung Roms aufund bezog Winterquartiere in Tuscien.

Dort sammelten sich viele weitere Truppen um ihn.

Allein 40,000 aus Rom entlaufene, meist germanische Skla-ven schlossen sich seiner Heeresmacht an.

Es ist unmöglich, die Frage zu unterlassen, welche Beweg-gründe Alarich bestimmt haben mögen, die Zurückhaltung zuüben, welche er fortan beobachtete.

Wenn die Legende von weichen Regungen spricht, welche denKönig bestimmt hätten, so ist das nicht ernst zu nehmen.

Vernünftige, durchAlarichsVerhalten imVerlauf des folgen-den Jahres erhärtete Betrachtung ergibt folgendes. Alarich wolltedie Brücke der Verhandlung mit Honorius nicht abbrechen. Erselbst wollte nicht in Rom herrschen, sondern er wollte dort einenBundesgenossen besitzen, auf den er sich bei der Durchführungseiner positiv gotisch-nationalen Politik stüzen konnte. Erwollte und mußte um jeden Preis wieder eine Heimat für seinVolk gewinnen:patria quieta.

Daraus ergab sich der Entschluß, einen anderen Kaiser ein-zusetzen, nachdem Honorius sich als persönlich unbrauchbar undals verrannter Feind der Goten erwiesen hatte.