Alarichs Romzüge 408, 409
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Der Senat erzwang auf dem Fleck vom Kaiser dessen Zustim-mung zu der Ermordung Stilicho’s . Der nach Ravenna geflüch-tete Stilicho umfaßte dort als schutzflehender Flüchtling den Altareiner Kirche. Von dort verräterisch herausgelockt, bot er seinenNacken ruhig dem Schwert des Henkers dar. (28. August 408).
Seine Tochter Thermantia, die Gemahlin des Kaisers, wurdeverstoßen, sein Sohn Eucherius hingerichtet. Dreißigtausend imSold des Staates stehende Krieger wurden proskribiert, derenFrauen und Kinder in Rom erschlagen.
Der durch diese Vorgänge ausgelöste Entschluß des Alarich,nach Italien zu ziehen und Rom zu erobern, ist, wie Alarich selbstgesagt haben soll, nicht eigentlich ein Willensentschluß gewesen,sondern innerer, überirdischer Schicksalsruf. Alarich selbstnannte ihn „mein Dämon“.
Der Gotenkönig setzte mit seinem Heer bei Cremona überden Po. Das Land verheerend, wie es Gotensitte war, zog erüber Bologna nach Rimini und dann ohne Widerstand die Flami-nische Straße hinab bis vor die Tore Roms.
Außer den 30,000 proskribierten Kriegern aus Rom , stießengroße Scharen von gotischem Fußvolk, welches nach Blut undBeute verlangte, zu ihm.
Alarich bezog ein Heerlager vor Rom , welches, von dichtenScharen skythischer Reiter umschwärmt, alsbald den Außenver-kehr Roms abschnitt, insbesondere die Lebensmittelzufuhr her-metisch absperrte.
Ostia und dessen Hafen Portus wurden besetzt. Irgend-welche Entsatztruppen hatte Alarich nicht zu fürchten.
Dies war im November 408.
Niemals zuvor, auch von Hannibal nicht, war die Stadt Rom in gleicher Weise umzingelt und mit unmittelbarer Vernichtungbedroht worden. Niemals hatte die Existenz Roms von demfreien Entschluß eines einzigen Mannes, wie jetzt von Alarich ,abgehangen.