Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Rom im Zeichen der Westgoten. Die Hunnen

Im Hochsommer 410 erschien Alarich mit seiner gesamtenHeeresmasse vor Rom .

Zunächst blieb der politische Sinn dieses Vorgehens ebensoverborgen, wie des Königs Intentionen für die militärische Be-handlung der Situation.

Erst nachträglich und zwar nachdem Alarich wenige Wochenspäter gestorben war, wurde der Sinn des letzten Romzuges Ala-richs klar.

Alarich wollte für sein Volk nicht in Italien sondern an ande-ren Gestaden des Mittelmeeres die neue Heimat (patria quieta)suchen. Rom wollte er so rasch und so vollständig wie möglichausbeuten. Er wollte dann durch Campanien nach Sicilienund wahrscheinlich von dort gegebenenfalls nach Afrika gehen.

In raschem Aufmarsch umzingelte Alarich Rom , sämtlicheTore gleichzeitig blockierend.

Der König selbst schlug sein Hauptquartier dreieinhalb Ki-lometer vor der Porta Salaria auf, an der Stelle der uralten sa-binischen Veste Antemnae, auf dem linken Ufer des Anioflusses,dort wo dieser in den Tiber fließt.

Daß Alarich mit ihm ergebenen Einwohnern Roms Verbin-dungen hatte, mittels deren er seinen Angriff gegen Rom vorbe-reitete, ist zweifellos. Ebenso sicher ist es, daß der König sichsowohl auf eine längere Belagerung als auf einen plötzlichen Über-fall einrichtete. Auf die letztere Möglichkeit hat Alarich nichtim Sinne einer wirklichen Erstürmung gerechnet. In wieweitdiese Möglichkeit im Wege des Verrates von ihm selbst durchVerhandlungen mit Anhängern in Rom der Verwirklichung zu-geführt worden ist, wissen wir nicht.

Was man, wie schon angedeutet, als gewiß annehmen kann,ist, daß Alarich in jedem Fall es nur auf die Reichtümer Romsabgesehen hatte.

Bei der Durchführung der Überwältigung Roms mußte aberder König den Truppen mehr leisten als Gold, Silber und sonstige