Alarichs Romzüge 408, 409
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Schätze. Die durch mehr als zehnjährige Entbehrung und Span-nung genährte Ungeduld der Truppen, nach Rom selbst hineinzu-kommen und dort wirklich endlich als Kriegsleute zu hausen undzu herrschen, war kaum noch zu zügeln.
Es muß als sicher gelten, daß Alarich die dreitägige Plünde-rung der Stadt und den unmittelbar daran anschließenden Marschseiner Kolonnen und des ganzen Trosses nach Campanien genauvorgesehen und seine Truppen darüber nicht in Unwissenheitgelassen hatte, um sowohl die Plünderungsleidenschaft der Trup-pen, als seine großen Bedürfnisse für das Gotenreich einiger-maßen zu befriedigen.
Daraus folgt unmittelbar, daß er auch den Einmarsch derTruppen in Rom methodisch so vorbereitet und geordnet habenmuß, daß die Soldateska zweckmäßig verteilt auf die Stadt-quartiere vorging, unter möglichster Vermeidung von Stauungenoder gar Kollisionen. Nach einem genialen, königlich gotischenPlünderungsplan muß es sich abgewickelt haben, jenes uner-hörte, dreitägige Kriegerfest der vereinigten Truppen Alarichs.
Wir wissen von den Dispositionen nichts. Es kommt imeinzelnen auch garnicht darauf an. Aber wir müssen uns dieVerfassung der Truppen, welche Rom umlagerten, derart vorstel-len, daß sie innerlich auf eine systematische Plünderung vorberei-tet, und gewillt waren, sich der Führung des Königs, im ganzenund im einzelnen, gemäß den Ausführungsbefehlen zahlreicheruntergeordneter Vorgesetzten zu fügen.
So war die Lage, welcher Ferdinand Gregorovius folgendeberühmte Darstellung gewidmet hat.
„Goten und Hunnen lagerten jetzt auf den Höhen vorRom , dessen Plünderung ihnen der König versprochen hatte. Aufdem vaticanischen Gebiet, zeigte sich diesen barbarischen Krie-gern die Basilika S. Peter’s, und darüber hinaus am Ufer des Ti-ber jene andre S. Paul’s; die Häuptlinge sagten ihnen, daß sie ihreGedanken von diesen mit Gold und Silber erfüllten Heiligtümernabzuwenden hätten; aber alles andere was an Herilichkeiten dieMauern Aurelian’s umschlossen, solle das ihrige sein, wenn sie