Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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Untergang des weströmischen Kaisertums 581

Libius Severus , welcher am 19. November 465 starb, dann überein Jahr lang allein.

Seit 12. April 467 regierte der von Byzanz (Kaiser Leo I.)eingesetzte Grieche Procopius Anthemius , der Gemahl der Eu-phennia, einer Tochter des Kaisers Marcianus.

Die römische Nationalpartei selbst hatte den griechischenKaiser zum Schutze der legitimen Reichsgewalt aufgerufen.

Gregorovius charakterisiert die Lage folgendermaßen: Dieunrettbare Auflösung des westlichen Reichs, dessen außeritalischeProvinzen germanische Völker, Burgunder, Franken, Westgotenund Vandalen in Besitz nahmen, während das geschändete Rom in immer tiefere Ohnmacht fiel, machte jetzt Constantinopel zumwahren Haupt des Reichs. Die besseren Kaiser dort fühlten aberdie Pflicht, die Einheit und Unteilbarkeit desselben aufrecht zuhalten, indem sie das sinkende Italien als Provinz des Imperiumsbetrachteten, und die Germanen hinderten, sich dort zu Herrenaufzuwerfen.

IX.

Der neue Kaiser zog mit großem Gepränge nach Rom , wo er,drei Millien von der Stadt, von dem Senat nebst einem großenmilitärischen Aufmarsch und von einer zahllosen jubelndenVolksmenge empfangen wurde. Es war am 12. April 467.

In der Stadt war allgemeiner Feiertag erklärt. ApollinarisSidonius erzählt:in allen Theatern, Speisemärkten, Prätorien,Foren, Tempeln und Gymnasien wurden fescennische Hochzeits-gedichte declamiert. Alle Geschäfte ruhten: die Gerichte hattenFerien; alle ernsten Dinge verloren sich in der allgemeinen Aus-gelassenheit der Schauspiele.

Aus der Regierungzeit des Anthemius ist der in der Litera-tur alsProzeß des Arvandus überlieferte Fall des Präfekten derProvinz Gallien , Arvandus, so bemerkenswert, daß er in unsererDarstellung nicht übergangen werden darf.

Vier Edle der Provinz Gallien hatten den Präfekten ange-k'lagt, wie es einstmals mit Verres und mit Catilina geschehenwar, wegen Bedrückung und Staatsverrat.