592 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
In einem ganz besonderen Zusammenhang endlich stellt sichdie Bedeutung der Periode Odoakers für die Stadt Rom dar.Man kann sagen, daß kein Kaiser und kein Bischof so stark wieOdoaker (dieser unbewußt) dafür gewirkt hat, daß Rom unab-hängig von Constantinopel (wie auch von Ravenna) und derMutterboden für das Papsttum und den Kirchenstaat wurde. *)
IV.
Die 17-jährige Geschichte der Regierung des Odoaker zer-fällt in zwei ganz verschiedene Abschnitte. Die ersten 13 Jahrebedeuten einen sich im wesentlichen gleich bleibenden Zustandüberlegener Gewalt, mit welcher Odoaker in Italien herrschte.Die letzten 4 Jahre sind erfüllt von einem furchtbaren mit Odoa-kers Niederlage endenden Kampf, welchen dieser gegen den ost-gotischen König Theodorich um die Herrschaft in Italien zu füh-ren hatte.
Wir gehen nunmehr zur Schilderung dieses Kampfes über,der veranlaßt wurde durch Eintreffen des Volkes der Ostgoten,welches unter seinem König Theodorich aus Pannonien undMoesien ausgewandert war und dessen Scharen über die Alpen nach Italien herabgezogen kamen.
Theodorich hatte diese gewaltige Wanderung zweifellosdarum unternommen, um das Siedlungsbedürfnis seines Volkes
*) Die dunklen und zweifelhaften Nachrichten über Odoakers Eingrei-fen in die Papstwahl des Jahres 483 stehen keinesfalls der Auffassung unse-res Textes entgegen. Gegenüber der Darstellung bei Gregorovius (Gesch.d. St. Rom.) B. I. S. 249), weicht Papencordt mit folgender Darstellung ab:„Im Jahre 483, als sich Zeno noch immer nicht um Italien kümmerte, wardie Macht Odoakers schon so hoch gestiegen, daß (nach den Akten des rö-mischen Concils) der Präfect des Prätoriums und Patrizier Basilius demselbenbeiwohnte, wie es heißt „auch als Stellvertreter des hervorragendsten Kö-nigs Odoaker .“ Ja dieser stellte selbst dem Concil vor, daß nach dem Auf-träge des Papstes Simplicius eine neue Papstwahl, um Spaltungen zu ver-meiden, nur unter vorgängigem Benehmen mit dem Präfecten geschehenkönne. Die Versammlung kümmerte sich jedoch um diese Schrift des Pap-stes schon deshalb nicht, weil ihr der Charakter der Authenticität fehlte“.(Gesch. d. St. Rom S. 28).