Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
594
Einzelbild herunterladen
 

594 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden

Bevor Theodorich zur eigentlichen Belagerung Ravennasüberging, durchzog er ganz Italien , unterwarf es völlig und erhieltvon den Vandalen den Besitz Siziliens . Dann zog er auf Ra-venna und belagerte dieses drei Jahre lang. Dann erst über-gab Odoaker die Stadt, durch das Murren der Einwohnerschaftgezwungen, unter der Bedingung, daß er persönlich Leben undFreiheit behalte.

Es war am 5. März 493 als Odoaker die Tore Ravennasöffnete.

Der Friedensschluß wurde von den beiden Königen beschwo-ren und in Ravenna mit großen Festgelagen gefeiert.

Am 9. März 493 aber wurde Odoaker durch Theodorich (ineinem Palast zu Ravenna, der den Namenin Laureto führte)eigenhändig ermordet. Theodorich durchstieß ihn mit seinemSchwert, während einige Diener Theodorichs um Odoaker sichmit der Miene zu tun machten, als wollten sie ihm eine Bitte vor-tragen.Wo ist Gott ? rief dieser, des ihm gegebenen religiö-sen Versprechens eingedenk, als er sich angegriffen sah.Ichtue Dir, sagte Theodorich,wie Du den Meinen getan hast.

So schreibt L. v. Ranke, Weltgeschichte, Teil 4, Kap. 13,nach Johannes Antiachenus bei Müller Fogenta, Hist. Graecia VSeite 29.

Gregorovius hat (Bd. I S. 242) folgende Betrachtung ge-schrieben, an deren Stelle wir nichts besseres zu setzen haben.

Für die Stadt Rom selbst hatte das Erlöschen des römischenKaisertums große Folgen; sie sank jetzt tatsächlich zu einer Pro-vinzialstadt herab. Ihre stolzen Monumente fielen in immer tie-feren Ruin, und ihr letztes politisches und bürgerliches Lebenerstarb.Aber das Papsttum erstand, und die Kirche Romswuchs unter Trümmern mächtig empor. Sie trat an die Stelledes Reichs. Sie war schon ein festes und großes Institut, alsdieses fiel, und unberührbar von dem Schicksal der alten Welt.Sie füllte die Lücke aus, welche durch deren Hinschwinden ent-stand. und sie bildete die Brücke zwischen dem Altertum und derneuen Welt. Sie nahm die trotzigen Germanen, welche jenesReich zerstört hatten, in das römisch-kirchliche Bürgerrecht auf,