Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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598 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden

Der Einzug fand unter kaiserlichen Ehren statt.

Vor der Stadt (an der Aniobrücke oder am Fuße des MonsMarius) empfingen den König der Senat und das Volk.

An der Spitze der Geistlichkeit begrüßte ihn der Papst.

Der arianische König begab sich aus Rücksichten der Klug-heit sofort nach der Basilika des S. Peter, und verrichtete daselbstmit großer Andacht und wie ein Katholik (so wird berichtet)sein Gebet am Apostelgrabe. Dann erst zog er im Triumpf-gepränge über die Hadrianische Brücke in Rom ein. *)

An Einzelheiten, welche sich bei Gregorovius quellenmäßigbelegt finden, seien folgende berichtet:

Der König nahm seine Residenz in der öde gewordenenKaiserburg des Palatin.

Er erfreute sodann die Römer durch das lange Zeit vermißteSchauspiel, ihren Herrscher in der Curie auftreten zu sehen, woBoetius die I.obrede auf den König hielt.

Dann hielt der König imSenatus, jenem Gebäude, welchesDomitian am Severusbogen und nahe bei dem Janus Geminus er-baut hatte, eine öffentliche Ansprache an das Volk.

Der König erklärte den Römern, daß er alle Verordnungendes Kaisers aufrecht erhalten werde. Zum Zeugnis dessen solltenseine Verordnungen in eherne Tafeln eingegraben werden.

Eine viel erwähnte Episode bei diesem Vorgang ist die An-wesenheit eines von Sicilien nach Rom gekommenen, vor denVandalenverfolgungen geflüchteten afrikanischen Abtes, des h.Fulgentius, welche Gregorovius im genauen Anschluß an dessenBiographen folgendermaßen erzählt:Stadt, Senat und Volkwaren durch die Anwesenheit des Königs zu hohem Jubel hinge-rissen. Als der fromme Fulgentius (das sind die Worte des Le-benbeschreibers) die edle Haltung und den in ihrer Rangordnungentfalteten Glanz der römischen Curie betrachtete, und dazu dasBeifallgeschrei des freien Volks vernahm, da ward es ihm plötz-

*) Gregorovius weist bei seiner Mitteilung des Vorganges auf dessenAnalogie der späteren römisch-deutschen Kaiserkrönungen (zuerst Karl d. Gr.800 ) hin.