620 Vom Tode des Honorius bis zu den Langobarden
standen unbeweglich und unnütz. Beiisar hatte vorausgesehen,daß die Maschinen, durch langsame ungedeckte Tiere gezogen,niemals bis an die Wälle gelangen würden. Das pankrazischeund das flaminische Tor ließen die Goten wegen des schwierigenZugangs unbestürmt. Aber ein gefährlicher Angriff traf dasaurelische Tor auf dem rechten Tiberufer und das Grabmal Ha-drians, welches dasselbe deckte. Die Stürmenden waren, ver-borgen durch den Säulengang vom Sankt Peter, überraschend soschnell genaht, daß sie die nur horizontal schießenden Baili-sten unterliefen. Gegen die Pfeile und Wurfspeere hatten sie sichdurch ein Dach von ungeheuren Schilden gedeckt: schon stiegensie auf Leitern die Zinnen hinan, als die verzweifelten Verteidi-ger, in Ermangelung von anderen Geschossen, die zahlreichenMarmorstatuen, welche das Grabmal zierten, zerschlugen, undmit den hinab geschleuderten Trümmern die Stürmenden unterdem zerschmetterten Schilddach begruben.
Das pincianische Tor blieb wie bei allen anderen Versuchen,obgleich dort die Mauer bedenkliche Sprünge zeigte, unbehelligt,was die Römer auf den besonderen Schutz des Apostels Petrus zurückführten. Am salarischen Tor wurden die Angreifer abge-schreckt durch die furchtbaren Geschütze auf dem Turm zurLinken, deren eines einen edlen Goten, der, durch Tapferkeit undvolle Rüstung ausgezeichnet, abseit von den Gliedern stehend, dieZinnen mit Pfeilen beschoß, Panzer und Leib durchbohrend aneinen Balken nagelte.
Aber an dem Vivarium drohten die Goten einzudringen. Die-ser Zwinger für Löwen und andere Cirkustiere hatte hinter niedri-ger Außenmauer einen nur schwachen Innenwall. Vitiges ließdurch Maschinen die Außenmauer erschüttern und an zahlreichenStellen erklimmen. Beiisar ließ die Goten absichtlich in den en-gen Zwinger eindringen, dann seine Kernscharen, nur mit demSchwerte bewaffnet, plötzlich einen Ausfall auf die Überraschtenmachen, welche, hilflos und regungslos zusammengedrängt, sämt-lich niedergehauen wurden.