Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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666 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

während die dritte Schwester Gordianan es vorgezogen hatte, inder Welt zu leben.

Von den politischen Zuständen Roms abgestoßen, nahm Gre-gor das Mönchsgewand.Der Mann, welcher im seidenen, vonEdelsteinen schimmernden Prachtkleide in der Stadt daherzu-schreiten gewohnt war, wurde in geringer Kutte dem Dienst desHerrn geweiht. (Gregor von Tours ).

Er schloß sich mit Begeisterung der Bewegung an, die an denNamen des heiligen Benedikt von Nursia anknüpfte. Neben demWunsch, selbst den Leiden dieser Welt zu entfliehen, stand in ihmder andere, seinen Mitmenschen die gleiche Wohltat zuteil werdenzu lassen, und denen, welche in den Stürmen der Welt Schiffbruchgelitten hatten, ihre Not zu lindern. So gründete Gregor sechsKlöster auf seinem sicilischen Grundbesitze und das von S. An-dreas in dem vornehmen römischen Stadtviertel Clivus Scauri inseinem eigenen Palaste. Hier verweilte er zuerst als einfacherBruder, dann als Abt. Hier legte er auch, indem er sich mit demStudium der kirchlichen Schriftsteller befaßte, den Grund zu dergroßen scholastischen Gelehrsamkeit, durch die er bei der Nach-welt noch größere Berühmtheit erlangte, als durch seine bedeu-tende Tätigkeit als Papst.

Papst Pelagius II. war frühe auf den hervorragenden Mönchaufmerksam geworden. Er hob ihn aus der Stille des Klosterszu kirchlichen Würden empor. Er ernannte ihn zum Diakonund zum Apokrisiar in Constantinopel, wo er in schwierigen La-gen die Interessen der römischen Kirche zu vertreten hatte. Hier-her, in den Kaiserpalast, wo er als Apokrisiar mit seinem Gefolgewohnte und in einer eigenen Kapelle die Messe las, folgte ihmeine Anzahl Brüder aus seinem römischen Kloster, mit denen ergeistliche Übungen pflog und die er in gewohnter Weise übergeistliche Dinge belehrte.

Er lernte die Verhältnisse und die Persönlichkeiten der orien-talischen Kirche und des Hofes kennen, und sein Gesichtskreiswurde durch die Bekanntschaft mit den Gesandten des fernstenOstens, wie auch dem katholischen Bischof Leander von Sevilla