Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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678 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

Flüchtling vor den Langobarden, fand in Krankenhäusern oderHerbergen Lager und Kost. Die christliche Liebe gab und daswirkliche Bedürfnis empfing die wahrhafte Wohltat.

Die römische Kirche gebot über weite Landschaften in La-tium, in der Sabina und in Tuscien wie in entfernteren ProvinzenItaliens . Sie war deshalb schon längst eine weltliche Macht, eheder politische Kirchenstaat entstand.

Gregor der Große hinterließ die päpstliche Macht nicht alsunabhängige Autorität. Er hatte die Bestätigung seiner Würdevom Kaiser von Byzanz erhalten und übergab sie so seinen Nach-folgern.

Aber mittelst Hebung des tiefgesunkenen Ansehens der StadtRom bildete er in einer Epoche, wo Rom immer mehr zu einerprovinzialen Stellung herabzusinken drohte, eine neue Grundlageder Unabhängigkeit, welche die Stadt dann mit dem Papsttumteilte.

Der Einfluß Gregors überwog die Macht der kaiserlichenBeamten, denn die Römer ehrten in ihm ihren Herrn und Er-halter, der die Würde des Bischofs mit dem Glanze des berühm-testen Patriciergeschlechts in seiner Person verband.

Es gab keine andere öffentlichen Feste mehr, als die kirchli-chen. Die Kirche selbst hatte angefangen, ein großes Asyl derGesellschaft zu sein; unter dem Einfluß unerhörter Schrecknisseder Natur und des Krieges war der Glaube an das nahe Ende derWelt allgemein geworden, und der Zudrang zum Kloster undgeistlichen Stande übermäßig groß. Der Bedürftige fand dortNahrung und Obdach, der Ehrgeizige aber Würde und Rang ineiner Zeit, wo der Titel Diaconus , Presbyter und Bischof für dieRömer das geworden war, was ihnen einst Tribunat, Praetur undConsulat gegolten hatten. Nicht wenige Krieger verließen ihreEahnen und nahmen die Tonsur. Der Kaiser Mauritius verbotim Jahre 592 den Übertritt der Soldaten ins Kloster und derCivilbeamten in ein kirchliches Amt.