Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom und Byzanz 604 bis 715

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IV.

Längst schon hatten die Päpste in Folge der Zersetzungder Civilverwaltung die Leitung der Getreideversorgung in dieHand genommen, und auch das für das Militär bestimmte Ge-treide wurde in den Speichern der Kirche aufbewahrt.

Nun hieß es, daß auch der Sold vom Kaiser dem Papsteangewiesen, von diesem aber nicht ausbezahlt worden sei.

Honorius hatte während der Friedenszeiten den Schatz derKirche gefüllt, während dem Heere der Sold vorenthalten blieb,weil der Staatsschatz, und nicht nur dieser, für die orientalischenKriege in Anspruch genommen wurde.

Mauritius erregte mit der Darlegung dieser Bewandnis dasHeer in Rom und in den umliegenden Castellen und rückte mitden gesammelten Truppen und Milizen, gefolgt von raubgierigemVolk, vor den lateranischen Palast, in welchem der gewähltePapst residierte, und in dessen Vestiarium, der Kirchenschatzverw r ahrt wurde.

Der Palast war von den Dienstleuten des Papstes militärischbesetzt, und zwar in so guter Haltung, daß Mauritius eine förm-liche Belagerung beginnen mußte, welche 3 Tage währte. Mauri-tius hätte den Lateran ohne Blutvergießen nicht einnehmen kön-nen. Das Blutvergießen scheute er. Er berief dieJudices,das heißt die höheren Beamten und Magnaten Roms. Nach einemvon dieser Versammlung gefaßten Beschluß ließ er Siegel aufden Schatz legen, sodann forderte er den Exarchen, Isaak, auf,von Ravenna in Person herbei zu kommen. Isaak zauderte nicht,trieb die Presbyter und Cardinäle aus der Stadt, und schicktedie widerstrebenden Geistlichen nach verschiedenen Landstädtenins Exil. Das Papstbuch berichtet, daß Isaak dann den ganzenKirchenschatzplünderte.

L. M. Hartmann (Geschichte Italiens) interpretiert diesüberzeugend so, daß ein Teil des Geldes für das Heer an Löh-nung gezahlt, ein anderer Teil in die Taschen der Beamten abge-führt, der nicht unbeträchtliche Rest an den Kaiser nach Con-stantinopel geschickt wurde.