Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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688 ' Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

Die Bemerkung von Ferdinand Gregorovius , daß der Exarchwelcher mit der Begründung nach Rom gekommen war, er wolledie Wahl des Severinus bestätigen, habe sich für diese Aner-kennung mit der Plünderung bezahlt gemacht, wird durch dieTatsache gestützt, daß der Erwählte sofort geweiht wurde undIsaak kurzweg nach Ravenna zurückkehrte.

Severinus bestieg am 28. Mai 640 den Stuhl Petri , auf demer zwei Monate und sechs Tage gesessen hat, ohne daß weiteresüber ihn zu berichten ist.

Sein Nachfolger Johannes IV. , ein Dalmatiner, der Sohn desScholasticus Venantius, regierte nach seiner Ordination am25. Dezember 640 ein Jahr und neun Monate, ohne daß etwasanderes von ihm vermeldet wird als die Erbauung eines Orato-rium (S. Venantius) neben dem lateranischen Baptisterium.

Ihm folgte auf den päpstlichen Stuhl der Grieche Theodor,der Sohn eines Bischofs von Jerusalem . Er wurde Papst am24. November 642 und starb am 13. März 649. Er machte sichverdient durch kirchliche Bauten. Besonders aber tat er sichhervor als eifriger Kämpfer gegen die griechische Kirche für denreinen römischen Glauben in dem monotheletischen Streit. *)

V.

Bei der Eröffnung der Thronfolge nach dem Tode des Kai-sers Heraclius (März 641), als die Macht der Sarazenen in Vor-

*)Die zahlreichen Sekte der Monotheleten stammte aus der Schuledes Abts Eutyches , welcher die eine Natur in Christo als Resultat der Ver-einigung der göttlichen und der menschlichen Physis gelehrt hatte. Nachdemdie Doktrin der Monophysiten verdammt worden war, bemächtigte sich dieSophistik der Griechen derselben Frage wieder, indem sie ihr eine veränderteGestalt gab. Man gab die Trennung der beiden Naturen zu, aber man ver-einigte sie in der einen unvermischten Energie des einen Willens (MononThelema), Der Patriarch Sergius von Constantinopel, Cyrus von Alexandria,und der Kaiser Heraclius selbst (610641) hatten sich für diese theologischeAnsicht ausgesprochen, aber die heftige Bewegung, die darübar entstandenwar, hatte den Monarchen vermocht, im Jahre 638 sein Edikt Ekthesis zu er-lassen, welches indeß vom Papst Johann IV (640642) verworfen ward. DieChristenheit spaltete sich in zwei leidenschaftliche streitende Lager: währendder Orient der Ekthesis anhing, blieben Afrika und das ganze Abendland beider orthodoxen Lehre Roms.