Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom und Byzanz 604 bis 715

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Der Versuch, die Bestätigung der Papstwahl wieder nachConstantinopel zu verlegen, war aufgegeben worden. Es scheintim Einverständnisse beider Teile gewesen zu sein, daß KaiserConstantin IV. (668685) sein Bestätigungsrecht auf den Exar-chen übertrug. Denn die lange Zeit, die zwischen der Wahl desPapstes und dem Eintreffen der Bestätigung verstrich, mußte demregelmäßigen Funktionieren des kirchlichen Verwaltungsappara-tes abträglich sein, ohne daß doch die persönliche Entscheidungdes Kaisers, wie etwa bei der Besetzung der orientalischen Pa-triarchate, unbeeinflußt von dem Berichte seines Statthalters hätteerfolgen können. Das alte Übel, daß der Exarch seine Partei-nahme für den einen oder den anderen Kandidaten möglichst hochzu verkaufen trachtete, konnte allerdings nicht beseitigt werden,um so weniger, wenn Parteiungen innerhalb des Klerus die will-kommene Handhabe zur Einmischung boten.

Die erste Wahl nach der Neuordnung scheint noch glatt ver-laufen zu sein, da einer der Männer, die Rom auf dem sechstenKonzil vertreten hatten, Johannes V. (685686) bei allen Tei-len der Wählerschaft die nötige Autorität genoß.

Nach dessen Tode wählte der Klerus den ArchipresbyterPetrus , während das Heer seine Stimmen auf den Priester Theo-dorus vereinigte. Wachen waren an den Zugängen der latera-nensischen Basilika aufgestellt, so daß sich der Klerus auf demPlatze vor der Kirche versammeln mußte, während das Heer inS. Stefano Rotondo tagte. Abgesandte, die von einem Lagerins andere gingen, brachten keine Entscheidung, bis der Klerusvon seinem Kandidaten abließ und im lateranischen Palasteeinen Dritten erwählte, den Priester Conon, der in Sizilien alsSohn eines dort garnisonierenden Soldaten aus dem Oriente auf-gewachsen war. Das Heer ließ sich schließlich herbei, dieserWahl zuzustimmen und das Wahldekret, das an den Exarchenabging und von diesem bestätigt wurde, zu unterschreiben, weilConon kein Parteimann war und sich niemals in weltliche Ange-legenheiten gemischt hatte, außerdem ein schwacher Greis war,der sich während seiner elf monatlichen Regierung (Oktober 686bis September 687) nicht vom Krankenlager erhob.

Neomario Geschichte der Stadt Rom II.

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