Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
714
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714 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

Im Jahr 72g rückte der Langobardenkönig Liutprand vorRom und lagerte, begleitet von dem Exarchen, am rechten Tiber-ufer unterhalb des Monte Mario auf dem neronischen Felde.

Der Papst war wehrlos und gänzlich von der Gnade desLangobardenkönigs abhängig.

Der gewaltige Nachfolger Gregor des Großen erinnerte sichder Wunderkraft des Geistes und vertraute auf den Sieg des gött-lichen Gedankens.

Er zog waffenlos in das Lager der Angreifer und richtetean den Langobardenkönig eine erschütternde Anspracheso er-schütternd, daß der tieffromme Langobardenkönig vor ihm indie Knie sank.

Das weitere sei mit den Worten von Ferdinand Gregorovius wiedergegeben.

Der priesterliche Zauberer führte den entwaffneten Feindan das Apostelgrab, und der fromme König legte seinenPurpurmantel, sein Schwert, ja seine Krone und alle seine kühnenHoffnungen dem toten Heiligen zu Füßen. Man schloß Friedenund Versöhnung. Auf Liutprands Bitten löste der Papst denExarchen vom Kirchenbanne. Diese eine Stunde entschied dieZukunft des weltbeherrschenden Papsttums. Sie glänzt in dessenGeschichte heller, als die sagenhafte Erscheinung Leos vor Attila ,und schon 300 Jahre vor der berühmten Szene in Canossa zeigtesie der Welt, welche rätselhafte Gewalt der Bischof Roms er-langt hatte. Liutprand betrat nicht einmal Rom ; er brach dasLager ab, und zog auf der flaminischen Straße hinweg.

Im Jahre 730 warf sich Tiberius Petasius, der Dux einerStadt im römischen Tuscien als Kaiser auf. Der Papst stelltesofort das römische Heer unter den Befehl des in Rom anwe-senden Exarchen, dieser besiegte und köpfte den Usurpator.Dessen abgehauenen Kopf schickte er nach Constantinopel, einSymbol des wiederhergestellten friedlichen Verhältnisses desPapstes zu der byzantinischen Regierung.

Gregor II. starb am 10. Februar 731,ein großer Menschund ein unübertroffener Staatsmann.