Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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724 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

den schon lange eigen. Liutprand hatte im Jahre 722 den Leich-nam Augustins von den Sarazenen um teures Gold erkauft, undunter dem Jubel der Menschen in der Basilika S. Petrus in Coeloaureo zu Pavia niederlegen lassen; und Aistulf benutzte die Be-lagerung Roms, um die Katakomben auszuplündern. Diese schonim Gotenkriege beschädigten Totenstätten erlitten jetzt eine voll-ständige Verwüstung.

Die Belagerung hatte 55 Tage (bis zum 24 Februar) gedau-ert, als Stephan sich entschloß, mit der Anspannung der äußer-sten Mittel den Frankenkönig zu bewegen, daß er Rom befreie.

Stephan schrieb drei Briefe. Diese übergab er dem AbtWarnehar (Werner), welcher aus der eingeschlossenen Stadt, miteinigen päpstlichen Gesandten auf dem Seewege nach dem Fran-kenreich entkam.

Warnehar war als Abgesandter des Königs Pippin zumPapste gekommen, und hatte selbst auf den Mauern von Rom,trotz seines geistlichen Standes und trotz seiner Gesandteneigen-schaft, die Rüstung gegen die Langobarden angelegt.

Er berichtete persönlich an Pippin, daß Rom nur seinen star-ken Mauern danke, daß Aistulf es noch nicht vernichtet habe.Seine persönliche Berichterstattung aus eigener Anschauung un-terstützte auch die Berichte des Papstes, insbesondere über dieKirchen- und Grabschändungen der Langobarden, sowie die Ver-höhnung der Franken gegenüber den Römern wegen deren Ver-trauens auf die Hülfe der Franken.

Der erste der drei päpstlichen Briefe war an das ganze Fran-kenvolk gerichtet, geschrieben im Namen des Papstes und derGeistlichkeit, wie aller Duces, Chartularii, Comites, Tribuni, desVolks und Heeres der Römer.

Den zweiten Brief schrieb Stephan in seinem eigenen Namenan Pippin, dessen Söhne und die Großen des Frankenreichs.

Die beiden Briefe schilderten die Lage Roms in den lebhaf-testen Farben. Den Grundton aber gab die Vorhaltung an Pippin