738 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
derungen des Papstes machte, mußten Gelegenheit zu neuenStreitigkeiten geben. Vergebens schickte der Papst seinen Ge-sandten zum König und ließ ihn an die Erfüllung seiner Ver-sprechungen erinnern. Desiderius sagte, es sei genug, daß er denPapst aus den Händen des Christophorus und Sergius gerettetund dann gegen die mögliche Rache der Franken gesichert habe;wie man ihm nach solchem Dienste noch die Erfüllung jenerForderungen abverlangen könne? Der Papst wendete sich wiederdringend um Hilfe an die beiden fränkischen Könige, und in derTat scheint auch die Königin Berta den Desiderius zu der Rück-gabe und dem Aufgeben verschiedener Ansprüche bewogen zuhaben, worin dieser wohl deshalb einwilligte, weil sich ihm zugleicher Zeit eine Gelegenheit darbot, die Franken mit sich zuverbinden und so aller Furcht vor deren feindlicher Einmischungin die italienischen Angelegenheiten ledig zu werden. Bertahatte nämlich eine Verbindung verabredet zwischen dem Sohnedes Desiderius und ihrer Tochter, ihren Söhnen und den zweilangobardischen Königstöchtern.
Keine Verbindung konnte die Unabhängigkeit des Papstesmehr gefährden. Er bot daher in einem Briefe alle Gründe auf,welche die beiden fränkischen Könige von der Verbindung mit denLangobarden hätten abhalten können. „Seid nicht so wahnsinnig“,heißt es in dem Briefe, „Häupter der Franken, euch mit demtreulosen und übelriechenden Namen der Langobarden zu be-flecken, welche gar nicht zu den Völkern gerechnet werden undaus deren Mitte wahrhaftig die Aussätzigen abstammen. Keinereurer Ahnen hat eine Gemahlin aus fremden Volke genommen.Es ist euch nicht erlaubt, die Frauen, welche euch der Vatergegeben hat, zu entlassen. Ihr habt eidlich dem heiligen Petrus und seinem Stellvertreter versprochen, unsere Freunde solleneuere Freunde und unsere Feinde auch die eurigen sein, und jetztwollet ihr euch mit den treulosen Langobarden verbinden, welchedie Kirche Gottes bekämpfen und unser Land angreifen?“ Aberungeachtet der Papst jenen Brief in der Confession von St. Pe-ter niederlegte und den Widerstrebenden mit dem Banne drohete,so heiratete doch Karl die Desiderata (770). Doch hatte diese