Karl der Große
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byzantinischen Imperialismus frei gemacht, und konnte sich des-halb als eine selbständige Macht mit dem werdenden abendlän-dischen Reiche verbünden, dessen Haupt der Frankenkönig war.Karl leierte das Andenken seines Freundes durch Seelenmessenund Almosen in allen Provinzen seiner Monarchie, und durcheine Grabschrift, die er mit goldenen Lettern auf schwarzenMarmor graben und über der Gruft Hadrian’s im S. Peter zuRom aufstellen ließ. Sie dauert noch heute; man sieht sie inder Vorhalle der Basilica links vom Haupteingange oben in derWand eingemauert.“
II.
Die einstimmige, schnell vollzogene Wahl der Römer erhobauf den päpstlichen Stuhl den Kardinal-Presbyter der BasilicaS. Susanna, welcher am 27. Dezember 795 als Leo III geweihtwurde. Derselbe, Sohn des Römers Azuppius, war von Kind-heit auf im Lateran erzogen und hatte früh die höchsten Gradeder Kirche erlangt.
Sobald er den Stuhl Petri bestiegen hatte, zeigte er demPatricius der Römer, dem Frankenkönig Karl, den Tod seinesVorgängers wie seine eigene Erhebung an.
Leo begleitete sein Schreiben mit dem Ehrengeschenk derSchlüssel vom Grabe Petri, und fügte ihnen das Banner derStadt Rom hinzu. Zugleich forderte er Karl auf einen seinerGroßen abzuschicken, damit er vom römischen Volk den Eid derTreue empfange.
Dieser schickte den Abt Angilbert von S. Richar an denPapst mit reichen Geschenken für S. Peter, und befahl ihm, dasschon vertragsmäßige Verhältnis zur Kirche und zu Rom neuzu befestigen. In seinem Schreiben an Leo sagte er: „Wir habenAngilbert alles aufgetragen, was uns wünschenswert oder Euchnötig erschien, damit Ihr in wechselseitiger Übereinkunft be-stimmen möget, was zur Erhebung der heiligen Kirche Gottes,oder zu Eurer Ehre, oder zur Befestigung unseres Patriciats vonEuch als notwendig erachtet werden mag. Denn wie ich mitEurem Vorgänger einen Vertrag heiliger Vaterschaft geschlos-