Karl der Große
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Dei' verwundete Papst wurde durch Getreue befreit, die ihnm der Nacht an Seilen von der Klostermauer herabließen und inSicherheit brachten.
Unter dem Schutz des Herzogs von Spoleto , welcher mitseinem Heer nach Rom gekommen war, zog der Papst nachDeutschland , um dort bei Karl Schutz und Hilfe zu erbitten.
Ein großes Gefolge von Getreuen geistlichen Standes undvon Vornehmen der Stadt Rom begleitete ihn. Karl empfing denPapst im Feldlager bei Paderborn (Westfalen ), im Begriff ste-hend, zum Kriege gegen die Sachsen aufzubrechen.
Leo kam dort in Begleitung des Königs Pippin an, welchenKarl dem Papst entgegen geschickt hatte, und welcher an derSpitze von io ooo Mann zog.
Karl erwartete den Papst inmitten seines Lagers.
Ein Augenzeuge (wahrscheinlich der als „Homer “ des Ka-rolingischen Hofes bekannte Abt Angilbert ) schilderte den Vor-gang dichterisch wie folgt:
„Beim Erscheinen des Papstes, der den Segen erteilte, sankdas Heer dreimal in die Knie, und der größte Monarch desAbendlandes schloß den gemißhandelten Flüchtling gerührt inseine Heldenarme. Die Kriegsscharen und Paladine, welche dieSarazenen Spaniens, die Avaren vom Ister, die Sachsen Deutsch-lands , in mancher blutigen Schlacht überwunden hatten, begrüß-ten mit lufterschütterndem Zuruf die beiden Häupter der Chri-stenheit. In den Waffenlärm mischten sich die Hymnen derPriester. Karl geleitete den Papst in den Dom zur feierlichenMesse, worauf Bankette folgten, bei denen die Humpen des altenBacchus vom süßen Falernerwein schäumten.“
IV.