754 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
die Güter S. Peter’s plünderten und verwüsteten. Die Anhängerdes Paschalis, namentlich die herbeigezogenen Landbewohner,übten Gewalttätigkeiten gegen den großen Besitz, welcher derKirche zugefallen war, und sie entwarfen eine Klageschrift,welche verloren gegangen ist. Dieselbe enthielt, wie berichtetwird, schwere persönliche Beschuldigungen gegen den Papst, wiedie des Ehebruchs und des Meineids, und sie sandten diese Schriftan Karl als an den Patricius Roms.
Aus einem Briefe des Mönches Alcuin (735—840) *) anKarl geht hervor, welches Gewicht man dem Aufstande bei-legte. König Karl hatte diesen seinen vertrauten Ratgeber umseine Meinung über die ganze Lage gebeten. Dieser hatte gera-ten, unbedingt die Rettung des päpstlichen Regimentes in Rom durchzusetzen. König Karl entschloß sich darauf seinerseits,seine oberherrliche Gewalt mit unparteilicher Strenge in Rom auszuüben, indem er den flüchtigen Papst nicht, wie dieser an-scheinend erwartet hatte, ohne weiteres mit Heeresmacht wiederin den Lateran zurückführte, sondern indem er ihn und seineGegner vor sein richterliches Tribunal berief.
Die Klagen der Optimaten gegen Leo müssen von Gewichtgewesen sein.
„Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte man die NepotenHadrian’s mit ihrer Partei nur als Meuchelmörder schlechtwegangesehen, so würden sie sich dem Richterspruch des Patriciusnicht gestellt haben. Es ist anzunehmen, daß diese Männer vonihrem Recht überzeugt waren, und daß sie dasselbe auf der ur-alten Majestät und Freiheit des lömischen Volks begründeten.(Gregorovius ).
Karl ließ im Einverständnis des Papstes einen regelrechtenProzeß in Rom einleiten, wobei, wie es scheint, der Papst Be-klagter, seine Gegner als Kläger zugelassen waren. Als Unter-
*) Alcuin, der gelehrte und einflußreiche Ratgeber und Freund Karls,der Vorsteher eines von Karl eifrig begünstigten Vereins, wodurch dieser»römisch-griechische Kultur im germanischen Frankenreich zu begründen be-müht war.“