Karl der Große
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suchungs- und Richterkollegium wurden von Karl zehn Ver-trauensmänner bestellt, welche den Papst nach Rom begleiteten:die Erzbischöfe Hilebald von Köln und Arno von Salzburg , fer-ner 5 fränkische Bischöfe und 3 Grafen.
Dieses weise Verfahren hatte den Erfolg, daß Rom be-ruhigt war.
V.
Erst im Herbst 799 verließ Leo III. Deutschland. Am29. November 799 traf er wieder vor Rom ein.
An der Milvischen Brücke waren alle Klassen des Volkeszu seiner Bewillkommnung aufgestellt.
Klerus, Adel, Miliz, die Zünfte, die Fremden-Scholen mitihren Bannern.
Der Papst wurde mit Gesängen nach S. Peter geleitet, woer die Messe las und die Kommunion erteilte. Nach kurzer Zeitversammelten sich die zehn Boten Karls zur Gerichtssitzung, inwelcher Paschalis und Campulus mit ihren Genossen vor ihnenerschienen.
Welches Ergebnis die durch viele Wochen dauernden Pro-zeßverhandlungen, deren Akten für verloren gelten, hatten, wis-sen wir nicht.
Eine endgültige Entscheidung ist zunächst nicht erfolgt.Denn erst nachdem Karl am 24. November 800 in Rom einge-troffen war, wurde am 1. Dezember der Streit dadurch zur Ent-scheidung gebracht, daß der Papst vor einer großen Versammlungdes Klerus und der römischen und fränkischen Edlen in St. Peteraus eigenem Entschluß die Kanzel (Ambo) wie einst Pelagiusbestieg und einen Reinigungseid leistete, worauf gemäß desPapstes Fürbitte Karl die über die Gegner verhängte Todes-strafe in die Strafe der Verbannung verwandelte.
Der Reinigungseid, welchen der Papst, mit dem Evangelium-buch in der Hand (oder über seinem Haupte) sprach, lautete:
„Es ist bekannt, o geliebte Brüder, daß Übeltäter gegen michaufgestanden sind, und daß sie mich und mein Leben mit schwe-