758 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
Karl verzichtete darauf, Rom zur Hauptstadt seiner Monar-chie zu machen, und dies war eine der folgenschwersten Tatsa-chen der Geschichte. Denn dadurch wurde die selbständige Ent-wicklung der abendländischen Völker, und endlich die der Kirchemöglich gemacht.
VII.
Wir sind, wie hier nochmals hervorgehoben sei, über die Ein-zelheiten des letzten Romzuges Karls, unzulänglich unterrichtet.
Noch unzulänglicher ist unsere Kenntnis von den Einzelhei-ten des inneren Zusammenhanges des großen Geschichtsvorgangesvom Jahre 800 n. Chr.
Wir stellen hier zusammen, was für glaubhaft gelten darf.
Was das Vorspiel des römischen Aufstandes vom 25. April799 anlangt, so ist gewiß, daß es sich um eine Verschwörung derpäpstlichen Beamtenaristokratie handelte.
Die Hauptführer der Verschwörung und des Aufstandes wa-ren neben dem Bischof Maurus von Nepi, und neben anderenvornehmen Römern der Campagna wie der Stadt, die beiden er-sten und einflußreichsten Würdenträger der Kurie: der Primi-cerius Paschalis und der Sacellarius Campulus.
Wir haben glaubhafte Nachricht, daß viele Römer nach demTode des Papstes Hadrian die kaiserliche Gewalt in der Stadtwiederherstellen und an sich reißen wollten, der Papst dies nichthabe dulden wollen und darum seine Beseitigung beschlossen wor-den sei.
Es ist auch sonst glaubhaft überliefert, daß die hohen Beam-ten, die sich als Nachfolger der ehemaligen kaiserlichen Büro-kratie fühlten, die Traditionen nicht vergessen hatten, welche siemit dem alten Kaisertum verknüpften.
Paschalis und Campulus waren gemäß geltender Beamten-ordnung nach dem Todes des Papstes Hadrian ohne ihren eigenenWillen in den Dienst seines Nachfolgers übergegangen.
Leo III. (795—816) hatte sofort nach seiner Wahl demFrankenkönig Karl die Wahlakten, den Schlüssel zum Grabe Petri