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Römisches Kaisertum und Kaiserkrönungen
Kapitel II.
Zeremonien und sonstiger Verlauf derKrönungen.
i.
om Jahre 800 bis zum Jahre 1530 n. Chr. habendreißig Kaiserkrönungen stattgefunden, derenSkizzierung in zeitlicher Folge hier unternommenwird, weil jede dieser Kaiserkrönungen ein Bildder jeweiligen Zeitlage in Rom und weit darüber hinaus eröff-net. Für Rom selbst gibt jedes dieser Bilder Gelegenheit, dieStraßen, die Plätze, die Brücken und die Paläste, die Stadttoreund die Kirchen Roms zu sehen, erfüllt von der Gesamtheit derrömischen Bevölkerung, alles dieses in äußerster Belebung, sei esin der Erhabenheit einheitlichen Jubels, sei es in dem Gegen-satz gepanzerter kaiserlicher Truppen und der zur Wut auf-gepeitschten Bürgerschaft, unter der Führung der stolzestenAdelsgeschlechter, welche die Welt gesehen hat.
II.
Der Darstellung der Einzelheiten schicken wir die typischeSchilderung eines Krönungstages voraus, wobei wir eine Darstel-lung von Ferdinand Gregorovius zugrunde legen, dieselbe ausanderen Quellen ergänzend *).
*) Die Schilderung des Gregorovius knüpft an die Kaiserkrönung Hein-rich III. (Gesch. d. St. Rom VII. Buch, 2. Kapitel) im Jahre 1046 an undstützt sich auf den „Ordo Coronationis“, welcher durch Cencius im Jahre1192 beurkundet ist (Pertz, Mon. Germ. II, 97; II. 187). Die Bezeichnung„Ordo“ wird im Gebiet der Kaiserkrönungen spezifisch angewendet zur Be-zeichnung von Texten, welche die Zeremonien beschreiben und deren For-meln als Reglement wiedergeben. Derartige Ordines sind in großer Zahlerhalten. Sie sind aber meist unzuverlässig, vielfach nachweislich falsch, alsUnterlage der Darstellung um so mangelhafter als sie tatsächlich nur zumTeil ausgeführt und von Fall zu Fall variiert worden sind.