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Römisches Kaisertum und Kaiserkrönungen
Ludwig II , Sohn Lothars I. und Enkel Ludwigs des From-men, ging im Jahre 844 mit einem Heer und großem Gefolgenach Italien , um die ohne kaiserliche Genehmigung erfolgteOrdination des Papstes Sergius II. zu ahnden. Er überschrittdie Grenze des römischen Gebietes in gewaltsamer Weise, sogarmit Plünderungen. Der Papst aber kam ihm in festlichem Auf-zuge entgegen und geleitete ihn (Sonntag nach Pfingsten) nachSt. Peter. Er begrüßte und umarmte Ludwig und schritt mitihm durch das Atrium zur silbernen Tür der Basilika. Dieseaber war verschlossen. Dem betroffenen König sagte der Papst:„Wenn du mit reinem Sinn und Wohlwollen, zum Heil derRepublik , der ganzen Stadt und dieser Kirche gekommen bist,so sollen dir diese Türen aufgetan werden, wenn anders, wirdmein Geheiß sie dir nicht öffnen“. Der König erklärte, daß erin guter Absicht gekommen sei. Die Türen des Domes öffnetensich, und von drinnen erscholl der feierliche Gesang: „Bene-dictus qui venit in nomine Domini“. — Der Papst und Ludwigbeteten am Apostelgrabe.
Das fränkische Heer lagerte vor den Mauern.
Am 15. Juni 844 salbte der Papst Ludwig als König vonItalien.
Es stellte sich nunmehr Siconolf, der von den Sarazenenbedrohte Fürst von Benevent und von Salerno in Rom ein, ummit Ludwig einen Vertrag zu schließen. Siconolf bekannte sichals Vasallen des Königs von Italien und verpflichtete sich zueinem Tribut von 10000 Goldsolidi.
Bald darauf zog Ludwig nach Pavia ab.
Erst im Jahre 850 setzte Papst Leo IV. in S. Peter Lud-wig II. die Kaiserkrone auf. In den Jahren 855 und 864 warLudwig wiederum in Rom , beide Male, um die kaiserliche Machtnachdrücklich zur Geltung zu bringen.
Ludwig II. starb am 12. August 875 und wurde zu Mailand in S. Ambrogio begraben.
Gregorovius urteilt über Ludwig II. : „Er war der ersteKaiser des Mittelalters, der sich in das verhängnisvolle Laby-