Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Krönungen 1027 bis 1220

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Der gekrönte Kaiser begab sich nach seinem Lager imneronischen Felde, während der Papst im Vatikan blieb. Baldnach der Mittagsstunde, als der Kaiser mit dem Heer beimKrönungsmahle saß, wurde gemeldet, daß die Haufen der römi-schen Fürsten - und Adelsanhänger mit wutentbrannten Volks-massen über die Tiberbrücken in die Leostadt eingedrungenseien. Die Nachricht veranlaßte Kaiser und Heer vom Krö-nungsmahl aufzuspringen. Heinrich der Löwe eilte, mit seinenMannen den Römern in den Rücken zu fallen. Letztere hattenzunächst in der Leostadt jeden einzelnen ihrer Feinde nieder-gehauen und Geistliche, Kardinäle und sonstige Anhänger derKaiserpartei geplündert, ballten sich dann aber zu einem Massen-sturm auf Friedrichs Lager zusammen. Bis zur Nacht wurdean der Engelsbrücke und im Trastevere mit wechselndemGlücke gekämpft. Dann aber wichen die Bürger. Gegeniooo Römer wurden erschlagen oder im Fluß ertränkt, mehrverwundet, gegen 200 gefangen.

Am Morgen erschien der Papst im Lager des Kaisers. Aufdessen Bitten ließ der Kaiser die Gefangenen frei und über-lieferte sie dem Präfekten Petrus . Der Erfolg des kaiserlichenSieges war aber so wenig entscheidend, daß der Kaiser am19. Juni das Lager abbrach und zunächst nach dem Soracte auf-brach, ohne die Stadt Rom betreten zu haben. Den Papst undalle Kardinäle nahm er als Flüchtlinge mit sich.

In Tivoli nahm der Kaiser vom Papste Abschied und zognordwärts. Auf dem Heimzug wurde die alte Langobarden-stadt Spoleto bis auf den Grund abgebrannt und zertrümmert.

Die dem ersten Zug Friedrichs I. nach Italien folgendenweiteren fünf Züge nach Italien erfolgten 115862, 1163,116668, 117478, 1184-86. Ihre Schilderung kann an

dieser Stelle nicht erfolgen, da hierzu ein Ausgreifen auf diegesamte italienisch-mitteleuropäische Zeitgeschichte erforder-lich sein würde, das den Rahmen des gegenwärtigen Kapitelssprengen würde.

Es muß hier genügen, auf die im Laufe jener weitreichendenVorgänge liegenden Momente summarisch hinzuweisen, welche