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Römisches Kaisertum und Kaiserkrönungen
und Italien, sondern auch aus Frankreich wurde der Kaiser be-stürmt, nach Rom zu gehen *).
Am 23. Oktober 1310 zog Heinrich mit geringem Gefolgeüber den Mont Cenis. Nach gefahrvoller Reise kam er am30. Oktober in Turin an. In unerwartetem Maße wurde erdurch die oberitalienischen und dann die mittelitalienischenVerhältnisse derart festgehalten, daß er erst am 23. April 13x2Pisa verlassen, und erst am j. Mai 1312 vor Rom, bei Isola Far-nese , eintreffen konnte. Dort, auf dem Trümmerfeld des altenVeji, verbrachte er die Nacht auf offenem Felde, im Schutzeder nur 700 Reiter, welche bei ihm geblieben waren. Nocheine zweite Nacht verbrachte er im freien Felde an der Flamini-schen Straße nahe vor Rom . Von dort führte er Verhandlun-gen mit den Römern.
Am Abend des 6 . Mai hielt Heinrich mit seinem Gefolgeauf der letzten Anhöhe der Via Cassia vor Rom, die große Stadtvor sich, zu seinen Füßen den strömenden Tiber mit den Bogender Milvischen Brücke. Jenseits der Brücke erblickte der Königeinen hohen Turm, welcher mit Bewaffneten besetzt war. AlsHeinrich und seine Leute die Brücke zu überschreiten begannen,wurden sie durch einen Pfeilregen von jenem Turm her empfan-gen. Unbeirrt hierdurch wurde der Übergang über die Brückevollzogen, der König in strahlender Rüstung dazwischen. Nureinige Pferde wurden verwundet.
Am folgenden Morgen (Sonntag 7. Mai) zog Heinrich(nicht wie Clemens in Avignon angeordnet hatte, durch das Torder Leoninischen Stadt, sondern) durch die Porta Flaminia in
*) Die bemerkenswerteste Stimme war diejenige Dantes. Des großenGhibellinen leidenschaftliche und aus tiefer Weltanschauung hervorgehendeseherische Forderung, daß der Kaiser als Weltherrscher in Rom die Weltbefreie und befriede, ist nicht nur in der berühmten Stelle des Purgatorio, welche die Begegnung Sordellos mit Virgil schildert, und in der Gestalt desVeltro verewigt. Auch in einer persönlichen Begegnung Dantes mit Hein-rich in Südfrankreich, sowie in einem Sendschreiben Dantes an den Kaiser,welches Anfang 1312 den Kaiser in Mailand erreichte, hat Dante seineinnigen Bitten an den Kaiser gerichtet.