Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Die Stadt Rom 816 bis 1009

VI.

Seit 876 drangen die Sarazenen wiederum in die römischeLandschaft ein. Sie plünderten die Sabina, verwüsteten Latiumund Tuscien, und erschienen mehrmals vor den Toren Roms .Die Klöster, die Landgüter, die Domusculte wurden bis auf denGrund zerstört, die Colonen wurden totgeschlagen oder in dieSklaverei geführt.

Die Stadt Rom konnte die Scharen fliehenden Landvolks,der Mönche und der Geistlichen, die den Schutthaufen ihrerWohnstätten und Kirchen hinter sich gelassen hatten, kaumbergen, geschweige nähren.

Die Städte, die Castelle, die Dörfer sind mit ihren Be-wohnern untergegangen, die Bischöfe zerstreut. Innerhalb derMauern Roms sammeln sich die Reste des gänzlich entblößtenVolkes.

Die ganze Campagna ist entvölkert, nichts ist den Klösternund andern frommen Orten, nichts dem römischen Senat zumUnterhalt geblieben, und die Umgegend der Stadt ist so ganzverwüstet, das man dort keinen Bewohner, nicht Mann nochKind zu entdecken vermag. So schrieb Papst Johann VIII.(872882) persönlich an Karl den Kahlen (f 877), und er bat,sich gleichsam vor seiner Magnificenz auf den Boden werfendflehentlich um Hilfe.

Indes Karl überließ die Stadt, die er bei seiner Krönungmit kaiserlichem Arm zu schützen geschworen hatte, demSchwert der Sarazenen.

VII.

Der Tod des kriegerischen Ludwig II. (843876) wurdejetzt ganz Italien fühlbar, während die politischen Zuständedes Südens die Eroberungen der Araber erleichterten. Die Re-ligion war kein Hindernis des Verkehrs, ja selbst nicht desBündnisses zwischen ihnen und den süditalischen Fürsten .Schon zu Ludwigs II. Zeit hatten diese sich der Ungläubigen zuihren Zwecken bedient, und jener Kaiser hatte laute Klage ge-