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ihn, nachdem er ihn der Augen beraubt hatte, nach Burgundzurück, wo er noch 20 Jahre lang ein elendes Leben und eineelende Scheinregierung führte.
In Burgundien verlor Ludwig die Macht an seinen Dienst-mann , den Grafen Hugo, einen Mann von unübertroffenerHärte und Grausamkeit.
Berengar erlangte 915 in Rom von Papst Johann X . (914bis 926) die Kaiserkrone.
Berengars Herrschaft war nicht von Dauer. König Ru-dolf II. von Hochburgund stieg mit einem Heere über die Alpen ,besiegte Berengar und nahm, als dieser bald nachher zu Verona durch Meuchelmord umkam, den Titel eines Königs von Italien an.
Die Reize und Ränke der lasterhaften Gräfin Irmengard *)bewirkten jedoch auch Rudolfs baldigen Sturz, worauf unterdem Beistand dieses mächtigen Weibes jener Graf Hugo zuPavia als König von Italien gekrönt und von den geistlichenund weltlichen Großen anerkannt ward.
II.
Papst Benedict IV. starb im Oktober 903. Ihm folgteLeo V. aus Ardea . Im November stürzte denselben Christo-
*) W. v. Giesebrecht (Geschichte der deutschen Kaiserzeit) zeichnetfolgende Skizze von Irmengard: „Irmengard, eine Frau von königlichemGeblüt, die durch ihre Reize, ihre Zügellosigkeit und ihre Ränke alle GroßenItaliens beherrschte, war durch ihre Mutter eine Enkelin König Lothars II.Ihr Vater war der reiche und prachtliebende Markgraf Adalbert von Tus-cien, ihr Gemahl der mächtige Markgraf Adalbert von Ivrea gewesen. IhrWitwenstand ließ ihr Raum, schamlos und ungestraft ihren Lüsten zu leben.Auch König Rudolf hatte sie vordem in ihre Netze gefangen und nichtwenig dazu beigetragen, ihn auf den Thron Italiens zu erheben. Aber schonbeschäftigte ein anderer Plan den Sinn des launenhaften Weibes; sie gingdamit um, ihrem Stiefbruder Hugo, demselben Manne, der bereits in Nieder-burgund alle Macht an sich gerissen hatte, die Königs- und Kaiserkrone zugewinnen und wußte auch den Papst für diesen Plan zu stimmen. Deshalbwiegelte sie jetzt die Großen Italiens gegen Rudolf auf, der in schmählicherWeise, vor dem Einfluß der gewaltigen Zauberin erbebend, seine Anhängerverließ und in sein Alpenreich zurückkehrte“.