Die Stadt und das Papsttum 816 bis 904 881
Man muß sich dabei erinnern, daß vom Jahre 816 bis zumJahre 903 dreiundzwanzig Papstwechsel stattgefunden haben.
Der Plünderungsgebrauch wurde auch auf sämtliche Todes-fälle von Bischöfen angewendet.
Das römische Konzil von 904 verbot die Plünderungen *),aber ohne nachhaltigen Erfolg.
Kapitel IV.
Das zehnte Jahrhundert.^
1.
udwig, Sohn des Grafen Boso von Niederburgund * 1 2 )(Provence ), ein ehrgeiziger, junger und tatkräftigerMann, erwarb um 900 die Herrschaft von Ober-italien , und, 901, durch den Papst in Rom die
Kaiserkrone.
Aber Graf Berengar, der Beherrscher von Friaul, erhobsich gegen Ludwig, nahm ihn in Verona gefangen, und schickte
*) „quia scelestissima etiam consuetudo inolevit, ut obeunte pontifice,ipsum patriarchium depraedari soleat, et non solum in ipso — sed etiamper totam civitatem, et suburbana ejus talis bacchatur praesumptio: nec nonquia et id inultum hactenus neglectum est, adeo ut omnes episcopi eadempatiantur uniuscujusque ecclesiae obeunte pontifice: quod ne ulterius prae-sumatur omnimodis inter dicimus“.
1 ) Für dieses Kapitel sind die Seiten 802—811 („Krönungen 901 bis1027“) zu vergleichen. Bei der Darstellung der Krönungen Ottos I. (S. 803),Ottos II. (S. 803), Ottos III. (S. 808) ist Sinn und historischer Zusammen-hang jener Krönungen teilweise durch Vorwegnahme allgemeiner Vorgängebeleuchtet worden, welche auch in dem gegenwärtigen Kapitel berührt wer-den.
2 ) Niederburgund oder Provence oder „das arelatische Reich" hießendamals die Ländergebiete, welche, vom Genfer See aus, dem Lauf der Rhone folgend, bis zu deren Delta mit der Hauptstadt Arles, nahe der Mittel-meerküste, sich hinziehen, während Hochburgund die Juragebiete um-faßte, welche nördlich von Genf, zum Rhein hin, in östlicher und nördlicherRichtung sich ausdehnen.