Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Die Stadt Rom 816 bis 1009

schmiedet. Dies waren Mörder ihrer Eltern, ihrer Brüder oderKinder, denen ein Bischof die Pilgerschaft nach Rom in solcherForm auferlegt hatte.

Andere zogen mit falschen Pässen durch die Länder, dasunsinnige Mitleiden der Menschen zu erregen und in Abteienoder Pilgerherbergen sich zu nähren.

Viele stellten sich besessen, liefen mit wunderlichen Ge-bärden durch die Städte, warfen sich vor den Heiligenbildernder Klöster nieder, und indem sie durch deren Anblick oderBerührung plötzlich zu Sinnen und Sprache kamen, erlangtensie von den beglückten Mönchen Geschenke, mit denen sie dannabzogen, um ihre Künste anderswo fortzusetzen.

X.

Auf einem anderen Gebiet liegt die unglaublich erschei-nende, aber mit allen Einzelheiten zuverlässig überlieferte Plün-derung des päpstlichen Palastes bei jedem Papstwechsel.

Wenn ein Papst gestorben war, stürzte sich die Diener-schaft und dann das hereindrängende Volk mit zynischer Gierin den geöffneten Palast und in sämtliche Gemächer des Toten.Es galt als legitime Sitte, daß jeder nahm, was er fassen konnte.Nicht nur der Palast, sondern auch seine Umgebung wurdegeplündert, wie mehrfach bezeugt ist.

Der Vorgang wurde auch rechtlich begründet. Der Papsthatte keine Erben, die von ihm besessenen Gegenstände wurdenmit seinem Toderes nullius, und ein Nachfolger in derR echts- und Gerichtsgewalt war erst dann vorhanden, wenn derneue Papst geweiht war.

Es wird berichtet, daß das Hinscheiden eines Papstes in be-stimmten Volksschichten jedesmal mit wilder Freude und Aus-gelassenheit als Signal zu der großen Plünderung begrüßt wurde.

Die Freude wurde gesteigert und erneuerte sich bei Gelegen-heit der Ordination des neuen Papstes.

Fester Tradition gemäß mußte der neue Papst große Geld-geschenke an den Klerus, an die Klöster, an die Scholen machen.Er mußte Brot und Fleisch verteilen und seine Keller öffnen.