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heutigen Forschern angenommen und, wenn man auch an ihrerRichtigkeit zweifeln könnte, so war es gewiß eine Nachwirkungder Autorität Alberichs, daß Octavian, nachdem er eine Zeitlangan seines Vaters Stelle getreten war, als Johann XII. zum Papstegewählt wurde. Er vereinigte die bisher auseinander gehaltenenDirektionen der höchsten Gewalt in Rom , die geistliche unddie weltliche. Seine Sinnesweise hatte jedoch keine geistlicheAder in sich: er erschien selbst in Waffen, gab sich allen sinn-lichen Gelüsten hin; er befleckte den Sitz des occidentalenPatriarchen mit Ungebühr und Laster. Auch in anderen hierar-chischen Stellungen zeigte sich diese Verbindung geistlicher undweltlicher Autorität; nirgends aber trat der Mißbrauch dergeistlichen Gewalt durch die weltliche so schroff hervor, als inRom , welches doch als die Metropole aller geistlichen Machtangesehen wurde.
Papencordt schreibt über Johannes XII. : „Einer der schlech-testen, welche je auf Petri Stuhl gesessen haben. Sein Leben warselbst in dem damals so sittenlosen Italien übel berüchtigt. Wol-lust der schändlichsten Art, Grausamkeit, Habsucht und Verkaufder geistlichen Güter und Gnaden wurden ihm von allen Seitenvorgeworfen. Gegen 959 hatte er, wir wissen nicht aus welchemGrunde, Streitigkeiten mit den Herzogen von Benevent , Lan-dulf II. und Pandulf. Der Papst hatte nicht nur aus seiner eige-nen Herrschaft ein Heer gesammelt, sondern auch aus den Her-zogtümern Spoleto und Tuscien Hilf Struppen erhalten; aber dieFürsten von Benevent riefen Gisulf von Salerno zu Hilfe.Darüber erschreckt, zogen die tuscischen und spoletanischenHilfstruppen des Papstes ab, und dieser sah sich genötigt, mitGisulf selbst auf einer Zusammenkunft in Terracina ein Bündniszu schließen. In Oberitalien hatte sich unterdessen Berengar,selbst nachdem er von Otto Italien als Lehen empfangen hatte,in Verbindung mit seinem Sohne Adalbert, der zum Mitregen-ten erklärt war, bitter an seinen Gegnern, besonders den Bi-schöfen, gerächt; auch des Papstes Gebiet, namentlich Ravenna,ward vielfach verletzt, und so wandte sich Johann XII . und mitihm der größte Teil der lombardischen Großen an Otto, aufdaß er sie von dem Tyrannen befreien sollte (960).