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verworfensten Kaiser des Altertums zurückgekehrt zu seinschienen. Sodann aber trat jene merkwürdige Reaktion ein,welche die römische Kirche, wunderbar schnell, zu einer Welt-macht erhob.
Der Begriff des römischen Patriziates wurde seit demn. Jahrhundert von weltgeschichtlicher Bedeutung. Den deut-schen Königen, welche diesen Patriziat dem Adel Roms entrissenund an ihre Krone brachten, verlieh er mit der Gewalt über dieStadt auch das Recht der Besetzung des heiligen Stuhls. Erwurde gerade deshalb der nächste Gegenstand des Kampfes dersich befreienden Kirche mit der Staatsgewalt. Jene hatte kaumden Weg der inneren Reform betreten, als sie sich mit allerKraft bemühte, das Joch der Patrizier abzuwerfen. WederAdelspäpste, noch Königspäpste sollte es mehr geben, die Papst-wahl sollte frei gemacht, dem Klerus allein übertragen werden.
Nach dem Tode Ottos III. sah sich Italien von seinemKönige, Rom von seinem Kaiser befreit. Kein Erbe konnte dieTitel des ersten Otto beanspruchen: ein günstiger Augenblickfür die Italiener, die deutsche Königs- und Kaisergewalt überihr Land für erloschen zu erklären und die Selbständigkeit zuerringen. Norditalien übertrug die Krone der Lombarden, wiezur Zeit Berengars, sofort einem einheimischen Fürsten, dennschon am 15. Februar 1002 erhob man in Pavia zum Könige derLangobarden Arduin , den Markgrafen von Ivrea, einen mäch-tigen Herrn, welchen Otto III. in die Reichsacht erklärt hatte.Er hielt seinen Königsritt durch das Land, und machte sich so-gar auf die Kaiserkrone Hoffnung. Die Römer setzten demSohne des berühmten Crescentius das patrizische Diadem aufsHaupt, und der Patricius Johannes Crescentius herrschte seitherzehn Jahre lang als Signor der Stadt.
Die unmittelbar auf den Tod Kaiser Ottos III . (1002)folgende Lage in Rom wird von A. v. Reumont folgendermaßengeschildert.
Für das Papsttum war es eine Zeit gänzlicher Machtlosig-keit. Die weltliche Herrschaft war nochmals ein Adelsregiment