Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Die Stadt Rom 1009 bis 1099

ihren Ämtern verdrängt worden, weil man als oberste Ver-waltungsbeamte und Richter Männer von entschieden kaiser-licher Gesinnung bevorzugte.

Ein Aufstand unter Führung des Crescentius brach los.

Der Papst mußte am 29. September 996 flüchten.

Nach der Flucht des Papstes fand eine allgemeine Revolu-tion in der Verwaltung statt. Die bisherigen Judices wurdenverdrängt, ihre Stellen mit Nationalen besetzt, und Crescentiusnannte sich wiederPatricius oderKonsul der Römer.

Man hat es auffallend gefunden, daß Gregor sich nicht derEngelsburg versichert hatte. Aber weil die Päpste damals nichtim Vatikan residierten, nutzte ihnen die Engelsburg als Zu-fluchtsort nichts. In dem unverschanzten Lateran freilichwaren sie jedem plötzlichen Überfalle wehrlos ausgesetzt.

Crescentius nahm die Engelsburg in Besitz.

Kaiser Otto III. führte Ende Februar 998 den Papst Gre-gor V. nach Rom zurück. Crescentius hatte die Engelsburg,welche seit der Zeit Karls des Großen allmählich immer mehrzum Kastell geworden war, gut befestigt und schlug siegreicheinige Stürme ab, welche der Markgraf Ekhard von Meißen alsFeldherr Ottos III. unternahm. Der Kaiser mußte eine regel-rechte Belagerung unternehmen. Das Kastell wurde erst am29. April 998 mit Sturm genommen.

Crescentius wurde auf den Zinnen der Engelsburg ent-hauptet und dann hinabgestürzt. Sein Leichnam wurde aneinem Galgen unter dem Monte Mario öffentlich ausgestellt.

Die Grafen von Tusculum, aus deren Geschlecht im10. Jahrhundert vier Päpste hervorgegangen waren, Sergius III. (904911), Johann XI. (931936), Johann XII . (95 6964),Benedikt VII. (974983) hielten zu der deutschen kaiserlichenPartei. Angesichts der Tusculanischen Geschlechtsangehörigkeitder vier genannten Päpste darf man der Nachricht glauben, daßdie tusculanischen Grafen schon im 10. Jahrhundert das mäch-tigste Geschlecht in Rom waren.