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Aller Augen richteten sich auf den Stadtpräfekten, wenner bei feierlichen Prozessionen, von seinen Richtern umgeben,neben dem Papst einherschritt, in fantastischen Gewändern, ineiner weitärmeligen Dalmatica von roter Seide, in einem pracht-vollen mit Gold besetzten Mantel, auf dem Haupt die Mitravon purpurrotem Samt, das eine Bein mit goldener, das andremit roter Hose bekleidet. Seine Wahl veranlaßte, wie jene desPapstes, stets Parteikämpfe. Der selten eintretende Fall ruhigerAbwicklung verlief so, daß nachdem der Erwählte sich demVolk auf einer Kanzel dar gestellt, und die Gesetze Roms be-schworen hatte, er in Prozession zum Papst geführt wurde, derihm die Bestätigung gab, und dann der Präfekt von einemkaiserlichen Bevollmächtigten die Belehnung mit dem Reichs-adler und dem bloßen Schwert empfing. Als der StadtpräfektPetrus Ende März iii6 starb, wollte Paschalis sein Amt einemSohne des Pierleone übertragen. Aber die kaiserliche Partei unddas Volk, welches diesen reichen Magnaten haßte, stellte denSohn des Petrus, einen Neffen des Ptolemaeus von Tusculum,als Präfekten auf. Der Papst nahm die Insignien der Präfekturan sich und war im Begriff, seinen Kandidaten am Osterdonners-tag im Lateran in das Amt einzusetzen, als die Volkspartei indie Kirche drang, ihren jungen Kandidaten Petrus dem Papstvorstellte, und mit Geschrei dessen Bestätigung forderte. „DerMittelpunkt dieser wütenden Szene war ein trotziger Knabe inTrauerkleidern“. Der Papst beschied die Tobenden auf einenanderen Tag. Rom spaltete sich in zwei Faktionen, für welcheauch die Grafen der Campagna Partei nahmen. Der Aufstandwuchs während des Festes. Als der Papst am Ostermontag nachS. Peter zog, stellten ihm die tobenden Römer an der Engels-brücke wieder den Präfektensohn vor und verlangten seine In-vestitur. Sie vergriffen sich am päpstlichen Gefolge. Die nachdem Lateran heimkehrende Prozession wurde vom Capitol her-ab mit Steinwürfen verfolgt. Als der junge Kandidat dieZeichen der Präfektur anlegte, entbrannte ein wütender Straßen-krieg. Türme und Häuser wurden angegriffen und zerstört,Kirchen geplündert.