Von 1143 bis 1188
947
sic verliehen ihm jene Kraft des passiven "Widerstandes, welcheimmer die wirksamste Waffe der Päpste gewesen ist.“
V.
An dieser Stelle muß der Kleriker Arnold von Brescia Er-wähnung finden, welcher im Jahre 1145 nach Rom kam, umauf Seiten der neuen Stadtrepublik die weltliche Herrschaft desPapstes zu bekämpfen.
Arnold von Brescia, zu Anfang des Jahrhunderts zu Bres-cia geboren, hatte von Jugend auf mit Sittenstrenge und hin-reißender Beredsamkeit dafür gewirkt, die verweltlichte Kirchezu einem wahren und innerlichen Christentum zurückzuführen.Sein Grundsatz war, daß jeder Grundbesitz des Klerus unchrist-lich sei, alle Zivilgewalt den Fürsten und Republiken gehöre, dieGeistlichkeit nur auf die Zehnten anzuweisen sei. Der Papstsolle daher die Zivilgewalt verlieren, der demokratische Zustandder ersten Kirche zurückkehren, eine Republik auf dem Fun-dament municipaler Konstitution errichtet werden.
Ein lateranisches Konzil unter Innocenz II. verdammte imJahre 1139 diese Lehren und verbannte Arnold aus Italien . Ar-nold ging nach Frankreich, wo er mit Abaelard, dem scholasti-schen Philosophen und Theologen, in Verbindung trat. ImJahre 1141 wurde die Lehre Abaelards, entgegen der Verteidi-gung dieser Lehre durch Arnold, zu Sens, gemäß der ForderungBernhards von Clairvaux als ketzerisch verurteilt. Abaelard unterwarf sich. Arnold begab sich nach Zürich und kehrtedann nach dem Tode Innocenz II. nach Italien zurück.
In welcher Art und in welchem Maße Arnold sich politischin Rom betätigt hat, ist bestritten. Sicher ist, daß er die demo-kratische Municipalpolitik wirksam unterstützte, und daß erdazu beitrug, daß Papst Eugen III. sich mit der neuen Verfas-sung vertrug. Arnold wurde von der Kirche mit unerbittlichemZorn verfolgt.
Seinetwegen belegte Papst Hadrian IV. (1154—1159) dieStadt Rom mit dem Interdikt.